So war der Tag : Die große Ungewissheit

Die Ungewissheit über die Schuldenprobleme in den USA und Europa und den Ausgang des europäischen Bankenstresstests hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag gelähmt. Der Dax pendelte um den Vortagesschluss von 7214 Punkten. „Es gibt ein großes Gemisch an Unsicherheitsfaktoren - da wagt sich kaum jemand, bei Aktien zuzugreifen“, sagte ein Händler. Bis zum Abend fiel der deutsche Leitindex um 0,3 Prozent auf 7194 Punkte. Der M-Dax der mittelgroßen Werte büßte 0,2 Prozent ein auf 10 776 Punkte. Der Tec-Dax blieb mit 1,2 Prozent deutlich im Minus bei 840 Punkten.

Neben der europäischen Schuldenkrise rückt der zähe Haushaltsstreit in den USA immer stärker in den Fokus der Anleger. Nach Moody’s hat nun auch die Ratingagentur Standard & Poor's mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, sollten die politischen Lager in Washington weiter keine Lösung finden. Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben. Falls die Gespräche scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Unterstützung kam am Nachmittag dennoch von den US-Börsen, die mit leichten Zugewinnen eröffneten. Unter anderem hatte die Citigroup die Märkte mit einem unerwartet hohen Quartalsgewinn überrascht.

Vor der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse zählten die Finanztitel zu den größten Verlierern. Commerzbank und Deutsche Bank büßten 3,3 beziehungsweise 1,9 Prozent ein. Der europäische Bankenindex notierte 0,2 Prozent schwächer. Die Testergebnisse sollten erst nach Börsenschluss veröffentlicht werden. „Böse Überraschungen erwarten wir nicht, sicher kann man sich aber erst sein, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen“, sagte ein Händler.

Auto-Titel hingegen profitierten von einer insgesamt positiven Branchenstudie von Goldman Sachs. So kletterten die Vorzugsaktien von VW um 2,4 Prozent, BMW stiegen um 1,4 Prozent. Nur die Titel von Zulieferer Elring Klinger rutschten um 3,6 Prozent an das M-Dax-Ende. Analyst Stephan Pütter lobte zwar das starke Geschäft, monierte allerdings die unattraktive Bewertung der Aktien und riet zum Verkauf.

Die Aktien der Deutschen Börse gewannen 1,8 Prozent. Der Weg für die Fusion zur weltgrößten Börse ist frei. Die große Mehrheit der Deutsche-Börse-Aktionäre will den Zusammenschluss mit der NYSE Euronext.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,46 (Vortag: 2,50) Prozent. Der Rentenindex Rex rückte um 0,01 Prozent auf 125,40 Punkte vor. Der Bund Future gewann 0,24 Prozent auf 128,73 Punkte. Der Euro fiel, die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4146 (Donnerstag: 1,4202) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7069 (0,7041) Euro.Tsp

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