Solarenergie : Solarfirmen setzen auf das Ausland

Q-Cells bis Conergy melden Verluste. Doch in den Sonnenländern wächst das Interesse an der Technik.

Kevin P. Hoffmann

BerlinBerlin - Donnerstag war wieder ein Tag der Abrechnung für die Solarbranche. Gleich mehrere deutsche Zellen- und Modulhersteller legten Zahlen zum dritten Quartal vor, und die waren alles in allem schlecht: Abschreibungen, Gewinneinbrüche, Kurzarbeit – die Hersteller in Deutschland leiden unter dem anhaltenden Preisverfall ihrer Produkte auf dem Weltmarkt und unter der erstarkenden Konkurrenz aus Fernost. Anton Milner, Vorstandschef des weltgrößten Modulherstellers aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt, sagte am Donnerstag in einer Telefonkonferenz: „Wir rechnen damit, dass wir noch nicht am Ende dieses Preiszyklus angekommen sind.“

Bei Q-Cells lief in den ersten neun Monaten ein Verlust von 945 Millionen Euro auf. Der Umsatz brach vor allem aufgrund des drastischen Preisverfalls bei Solarzellen um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 550 Millionen Euro ein. Erst seit September zieht die Nachfrage offenbar wieder deutlich an. Das Unternehmen hatte aber schon im August ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet und baut bis Weihnachten 500 Arbeitsplätze ab. Mit dem Betriebsrat habe man sich geeinigt und halte an den Plänen fest, hieß es.

Zugleich fährt Q-Cells seine neue Fabrik in Malaysia hoch, wo Q-Cells bald mehr als die Hälfte seiner Zellen herstellen will. „Dann verbinden wir das Beste aus zwei Welten“, sagte Milner. „Niedrige Kosten in Malaysia mit Hochtechnologie aus Deutschland.“ Aktienbesitzer von Q-Cells dürften sich über die Verlagerung ins asiatische Niedriglohnland freuen und hoffen, dass der zuletzt arg gebeutelte Kurs mittelfristig wieder anzieht. Beobachter, die große Hoffnungen auf Q-Cells und die gesamte Branche als Jobmotor setzen, dürfte Milners Ansage eher ernüchtern. Der Marktführer sagt aber an, wohin die Reise geht.

Die Rechnung geht für den Standort Deutschland und die heimische Produktion nur auf, wenn die Hersteller künftig auch mehr im Ausland verkaufen. Hoffnung machte in dem Punkt die Berliner Beratungsgesellschaft Apricum, die sich auf grüne Technologien spezialisiert hat und auch ein internationales Beraternetzwerk pflegt. „Die Mena-Region, also der Nahe Osten und Nordafrika, entdecken zunehmend das wirtschaftliches Potenzial, das ihnen durch die naturgegeben hohe Sonneneinstrahlung zur Verfügung steht, heute aber noch größtenteils ungenutzt bleibt“, schrieb Apricum-Geschäftsführer Nikolai Dobrott am Dienstag in einer Mitteilung. Konkret beobachtet die Agentur ein wachsendes Interesse an der Technik in der Türkei, Saudi-Arabien und dem Sultanat Oman.

So sehen viele Hersteller langsam wieder Licht in der Ferne: Trotz des schlechten Geschäfts in den ersten neun Monaten, lag der Umsatz bei Q-Cells im letzten Quartal immerhin um 30 Prozent über dem Vorjahr. Spätestens zum Halbjahr 2010 will Q-Cells wieder Gewinne schreiben, wenngleich das Management keinen konkreten Ausblick geben wollte. Auch der durch Managementfehler schon lange vor der Wirtschaftskrise in die Verlustzone geratene Solartechnikkonzern Conergy will 2010 aus den roten Zahlen kommen. „Es geht alles in die richtige Richtung“, sagte Firmenchef Dieter Ammer. Der Konzern habe seine Kosten im Griff und zuletzt die Schulden nahezu halbiert.

Der Solarzellenhersteller und Kraftwerksbauer Phoenix Solar aus Sulzemoos bei München strich am Dienstag wegen des Geschäftseinbruchs bei Großprojekten das Umsatzziel für das Gesamtjahr 2009 zusammen: Statt 520 Millionen dürfte der Jahresumsatz nur noch bei 430 bis 480 Millionen Euro liege. Am Ende des Jahres wolle man aber schwarze Zahlen schreiben. Ähnlich stellt sich die Lage schließlich auch bei dem Bonner Unternehmen Solarworld da, das eher das höherpreisige Segment auf dem Solarmodulmarkt bedient Vorstandschef Frank Asbeck sagte, dass alle Solarworld-Anlagen derzeit wieder ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben.

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