Solarenergie : "Solarhauptstadt" Frankfurt (Oder)

Der Hamburger Solaranlagen-Hersteller Conergy errichtet in Frankfurt (Oder) eine neue Produktionsstätte. Die Investitionen belaufen sich auf 250 Millionen Euro. Mehr als 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Frankfurt (Oder) - Noch stehen die Baustellenschilder der liquidierten Chipfabrikgesellschaft Communicant vor dem Rohbau der riesigen Halle am Stadtrand von Frankfurt (Oder). Doch davor wehen bereits die Fahnen des Hamburger Solaranlagenherstellers Conergy. Der Communicant-Liquidator Frank Geiser überreichte symbolisch den Schlüssel an Conergy-Vorstandschef Hans-Martin Rüter. Mit dem Verkauf des 300.000 Quadratmeter großen Grundstücks zieht endlich Leben in die Ende 2003 fertig gestellte, aber nie genutzte Halle ein.

Schon sind die Bauarbeiter am Werk, reißen Betondecken und Wände heraus, um die Chipfabrikhalle für die neue Nutzung passend zu machen. Im kommenden Sommer soll hier die weltweit erste vollintegrierte Fertigung von Solarmodulen in Betrieb gehen, wie Rüter ankündigt. Zunächst sind bis zu 500 Arbeitsplätze geplant. Wenn die Produktion bis 2008 hochgefahren ist, sollen es rund 1000 Mitarbeiter sein. Etwa fünf Prozent der Gesamtinvestitionssumme von 250 Millionen Euro seien für den Kauf des Gebäudes eingesetzt worden, sagt Rüter. Für den Ausbau der Halle seien rund 15 Millionen Euro veranschlagt. Das Gros der Summe gehe aber in die Anlagen.

Bau einer zweiten Halle wird erwägt

Das auf allen fünf Kontinenten operierende Unternehmen, das mit einem für 2006 erwarteten Umsatz von über 800 Millionen Euro nach eigenen Angaben die größte Solarfirma Europas ist, erwägt angesichts des stark wachsenden Weltmarkts sogar, neben dem Chipfabrik-Gebäude noch eine zweite Halle zu errichten. "Wir haben hier ausreichend Platz, um uns in den nächsten zehn Jahren ausdehnen zu können", führt Rüter einen wichtigen Grund für die Ansiedlungsentscheidung zugunsten Frankfurts an, das sich gegen eine Reihe von Alternativ-Standorten auch in Osteuropa durchsetzte.

Zwar seien die betriebswirtschaftlichen Kennziffern in Frankfurt ähnlich wie an anderen Standorten Ostdeutschlands oder Osteuropas. Auf dem Chipfabrikgelände sei aber die betriebsnotwendige Infrastruktur schon vorhanden. In der Stadt, die zu DDR-Zeiten das Zentrum der ostdeutschen DDR-Halbleiterindustrie mit rund 8000 Beschäftigten war, gebe es zudem qualifizierte Arbeitskräfte. Im Gegensatz zu einem osteuropäischen Standort entfalle die Sprachbarriere, der Firmensitz Hamburg sei noch "in relativer Nähe".

Auch eine Kooperation mit Frankfurter Forschungseinrichtungen sei geplant, sagt der Conergy-Chef. Quasi zu Fuß ist über eine Brücke über die Autobahn Berlin-Warschau das Institut für Halbleiterphysik (IHP) zu erreichen. Auf der anderen Seite der A 12 bauen zudem das US-Unternehmen First Solar für 115 Millionen Euro sowie die Frankfurter Firma Odersun AG für zehn Millionen Euro Solarfabriken mit zusammen rund 500 Arbeitsplätzen. Beide Fabriken sollen ebenfalls 2007 in Betrieb gehen.

"Dicker Fleck" auf der Solar-Weltkarte

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) spricht angesichts dieser Investitionen schon von der "Solarhauptstadt" Frankfurt (Oder). Das Land Brandenburg werde zu einem "dicken Fleck" auf der Weltkarte der Solarwirtschaft, sagt Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), der auch auf weitere Produktionsstätten unter anderem in Prenzlau oder Brandenburg/Havel verweist. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland hätten der Branche hier "richtig gute wirtschaftliche Erfolge" gebracht.

Frankfurt bekomme ein neues, zukunftsträchtiges Profil, sagt Platzeck. Zu dem einen Standbein, der Europa-Universität, komme jetzt die Solartechnologie hinzu. Es habe sich ausgezahlt, dass die Stadt über Jahre nicht aufgegeben habe, um Investoren zu werben. Zudem habe sich herumgesprochen, dass Frankfurt seit der EU-Osterweiterung 2004 nicht mehr am Rande Europas liege, sondern Tor zum Osten sei. Zugleich mahnt Platzeck mit Blick auf den jüngsten Anschlag auf die Frankfurter Synagogen-Gedenktafel, dass ohne Weltoffenheit solche Geschäfte, die Arbeitsplätze in Frankfurt schaffen, nicht möglich seien. Und Rüter ist sicher: "Wenn die Leute erst in Arbeit sind, tragen sie die positive Botschaft in die Region." (Von Jörg Schreiber, ddp)

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