Solarenergie : Strom statt Getreide

Die Solarförderung sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in der Landwirtschaft. In Bayern erzeugen jetzt immer mehr Bauern lieber Energie.

Thomas Magenheim

München - Das Gut Harthof im niederbayerischen Gäuboden: Auf den Äckern dort wachsen je nach Jahreszeit Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln. Doch die Zeit der Landwirtschaft geht zu Ende, erklärt Stephan Stehl. Er ist Geschäftsführer des Fürstenhauses Thurn und Taxis, dem das 190 Hektar große Gut gehört. Auf dem Areal, so groß wie 280 Fußballfelder, soll ein Solarpark entstehen, der nahe der Stadt Straubing bald der größte weltweit sein könnte. Die Eigentümer wollen Module mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt aufstellen. Die könnten genug Strom für 14 000 Haushalte liefern. „Das ist rentabler als Landwirtschaft“, sagt Stehl. Ökologische Anliegen wolle das Fürstenhaus damit eigentlich nicht demonstrieren. Es sei vielmehr ein unternehmerisches Investment.

Das kostet Thurn und Taxis erst einmal rund 115 Millionen Euro. Ans Netz gehen soll die riesige Photovoltaikanlage noch 2010, was dem Fürstenhaus auf 20 Jahre 28,75 Cent pro ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde garantiert. So legt es das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fest. „Wir kalkulieren mit einer internen Verzinsung von acht Prozent“, sagt Stehl. So rechnen auch andere, weshalb vor allem in Niederbayern an scheinbar jeder Ecke Solarparks entstehen.

Der von der Sonne und wegen seiner flachen Landschaft begünstigte Regierungsbezirk sei deutschlandweit derjenige mit der höchsten Dichte an Solarzellen, hat der Bund Naturschutz (BN) errechnet. Fünf Prozent betrage der niederbayerische Solarstromanteil heute, sagt BN-Experte Kurt Schmid. Schon nächstes Jahr dürfte sich die Quote wegen des Baubooms verdoppeln. Bayernweit liegt sie derzeit bei zwei, im Bund bei einem Prozent.

In der Gemeinde Feldkirchen, an deren Grenze der fürstliche Solarpark bis auf 500 Meter heranreicht, ist man indessen alles andere als begeistert und empfindet die Pläne eher als die Schattenseite des Solarbooms. Unter dem geplanten Meer von Photovoltaikzellen verschwänden landwirtschaftliche Böden höchster Bonität, klagt eine Gemeindesprecherin. „Den Leuten, die hier wohnen, blutet das Herz, das ist eine Kulturlandschaft, keine Agrarsteppe“, erklärt sie den Protest. Das Fürstenhaus wolle auf Biegen und Brechen ein überdimensionales Sonnenkraftwerk als weiteres wirtschaftliches Standbein. Gegen Photovoltaik habe im Ort niemand etwas, wohl aber gegen diese Gigantomanie. Die demnächst blitzende Glaswüste bedeute auch sinkenden Wohnwert und damit verfallende Grundstückspreise.

Eon Bayern bestätigt, dass der Solarpark bei Straubing kein Einzelfall ist. Allein 200 Dachanlagen schließe Eon derzeit täglich ans Netz an und dazu kämen dutzende teils umstrittene Großanlagen, darunter „richtig große Brummer“, wie Eon-Sprecher Josef Schönhammer sagt. Der Grund dafür sei zum einen das EEG und zum anderen der rasant sinkende Preis für Solarzellen, der sich binnen zwei Jahren bis 2010 halbieren werde. Garantierten Einnahmen stünden also sinkende Investitionskosten gegenüber, ein nahezu risikoloses Geschäft.

Was Großanlagen wie die bei Straubing anbelangt, sieht der BN das sehr kritisch. Immer noch seien 85 Prozent aller Dachflächen ungenutzt, da brauche es keine Mammutprojekte, die landwirtschaftliche Nutzfläche auf Jahrzehnte überdecken, rügt Schmid. Photovoltaik sei gut, aber nicht in dieser Dimension. Die Lawine riesiger Freianlagen müsse gebremst werden. Thomas Magenheim

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