Solartechnik : Conergy zieht sich zurück

Das angeschlagene Hamburger Solarunternehmen Conergy treibt seinen Umbau voran und will sich künftig auf den Vertrieb und das Projektgeschäft konzentrieren. Für das Werk in Frankfurt (Oder) wird ein Partner gesucht.

Kevin Hoffmann
Conergy
Produktionsvorbereitungen in Frankfurt (Oder) -Foto: ddp

BerlinBisher deckte das Unternehmen einen großen Teil der Wertschöpfungskette ab und produzierte selbst Wafer-, Zellen- und Solarmodule in der Chipfabrik in Frankfurt (Oder). Für das neue Werk, das erst 2009 voll produzieren dürfte, sucht Conergy nun einen Partner. „Wir sind mit potenziellen Investoren im Gespräch und wollen diese Gespräche zügig erfolgreich zu Ende führen“, sagte Sprecher Alexander Leinhos. „Wir hätten am liebsten jemanden, der technische Erfahrung und Ressourcen mitbringt.“

Conergy ist nach eigenen Angaben das umsatzstärkste Solarunternehmen Europas. Im März 2005 war es an die Börse gegangen, hatte sich dann in immer mehr Nebentätigkeiten verzettelt und war 2007 schließlich an den Rand der Pleite geraten. Banken verhinderten das Aus mit einer Finanzspritze von über 240 Millionen Euro. Seit neun Monaten führt der ehemalige Tchibo-Chef Dieter Ammer die Geschäfte. Seither wurde die Zahl der Mitarbeiter in Hamburg auf 380 etwa halbiert. Vergangene Woche konnte Conergy erstmals seit Beginn der Restrukturierungen wieder einen operativen Quartalsgewinn von einer Million Euro verbuchen – nach einem Verlust von 27 Millionen im Vorjahresquartal. Ammer hatte zudem die Absicht bekundet, sich durch die Ausgabe neuer Aktien 450 Millionen Euro frisches Kapital besorgen zu wollen – 200 Millionen mehr als geplant.

Der Strategiewechsel vollzieht sich auch im Auslandsgeschäft. „Früher verfolgten wir das Ziel, möglichst die ersten am Markt zu sein“, sagte Sprecher Leinhos. Das habe sich nicht überall ausgezahlt. Daher habe man sich jetzt von mehr als der Hälfte der Standorte getrennt: von den Geschäften in Österreich, Belgien, Indonesien, den Philippinen, den Niederlanden, China, Hongkong, Südafrika und Slowenien. „Wir wollen nur noch dort Umsatz machen, wo wir auch Profit machen können“, sagte Leinhos. Das gelte für Spanien, Griechenland, Italien und die USA, wo Conergy großes Potenzial in den nächsten zwei Jahren sehe. Mit Abstrichen gebe es auch in Frankreich Chancen.

Die Conery-Aktie stieg am Montag zeitweise um mehr als neun Prozent. Sie schloss bei 9,97 Euro (plus 0,7 Prozent).

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