Wirtschaft : "Soll ich jetzt den Stromanbieter wechseln?" - drei Experten antworten

Die Bewag hat angekündigt[ihre Stromtarife z]

Die Fragen beantworten Ute Steinhauf, Chefin der Telefonberatung der Bewag, Detlef Bramigk, Vorstand der Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung und Andreas Rose, Vorstandschef der Ares AG.

Die Bewag hat angekündigt, ihre Stromtarife zu senken. Betrifft das alle Haushalte?

STEINHAUF: Natürlich. Für private Haushalte werden wir zum 1. November die Tarife senken. Sie kommen automatisch in den Genuss der Preissenkung. Wir werden Ihnen dann verschiedene Tarifmodelle anbieten und Sie können auswählen, welches Modell am besten zu Ihrem Stromverbrauch passt. Und wir bieten seit Jahren einen Service, den kleine neue Anbieter wahrscheinlich nicht leisten können.

Wenn die Bewag nun auch die Strompreise senken will, gibt es doch keinen Grund mehr, den Stromanbieter zu wechseln.

ROSE: Das ist nicht ganz richtig. Strom ist nur ein Rohstoff, den Sie in Ihrem Haushalt verbrauchen. Das Unternehmen Ares beispielsweise bietet Ihnen neben den günstigen Stromtarifen einen zusätzlichen Service an. Neben Wasser und Strom können Sie auch Wärme, Telefon und Kabel-TV über Ares beziehen. Die Abrechnung erfolgt dann über eine sehr übersichtliche Rechnung. Sie brauchen nur noch mit uns abzurechnen.

Ich will keinen Billigstrom, sondern Öko-Strom beziehen. Wer garantiert mir, dass ich auch wirklich sauberen Strom bekomme?

STEINHAUF: Bei der Bewag können Sie Solarstrom kaufen, dessen Herkunft vom WWF-Deutschland (World Wide Fund of Nature) kontrolliert wird. Derzeit kostet die Kilowattstunde 76 Pfennig. Wir legen noch einmal soviel drauf, denn der Solarstrom kostet tatsächlich 1,52 DM pro Kilowattstunde.

Bieten auch andere Versorger ökologisch unbedenklichen Strom an?

ROSE: Wir bieten zwei Produkte an: "Power 24", das ist so genannter normaler Strom, und "Eco 24", Strom aus regenerativen Energiequellen. Ares bezieht ihn von Windkraftanlagen in der Nähe von Leipzig. Er kostet 36 Pfennig pro Kilowattstunde plus die obligatorischen fünf DM Grundgebühr. Derzeit verhandeln wir auch mit einem Anbieter von Wasserkraft-Strom. Ein Zertifikat, mit dem wir Ihnen die Herkunft unseres Öko-Stroms nachweisen können, haben wir leider noch nicht. Wir sind aber in Verhandlungen mit einem unabhängigen Institut, das unseren Kunden ein solches Zertifikat ausstellen wird.

Soll ich jetzt den Strom-Anbieter wechseln oder lieber erst die Tarifsenkung der Bewag abwarten?

BRAMIGK: An Ihrer Stelle würde ich noch warten. Es sind nur noch ein paar Wochen, bis die Bewag Ihre neuen Tarife konkretisieren will. Erst dann wissen Sie genau, welche Alternativen es gibt und können prüfen, welcher Anbieter am besten zu Ihnen passt und wo Sie wirklich sparen können.

Worauf muss ich achten, wenn ich den Anbieter wechseln will?

BRAMIGK: Vergleichen Sie nicht nur die Kilowattstunden-Preise. Rechnen Sie auch Nebenkosten und Grundgebühren mit, das verändert das Bild noch einmal. Achten Sie auch auf Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen. Wer jetzt übereilt einen langfristigen Vertrag abschließt, bereut das vielleicht bald. Die Marktöffnung hat gerade erst begonnen. Nicht zu vergessen, dass Sie auf die Herkunft des Stromes achten sollten und auch einmal überprüfen könnten, ob Sie Ihre Stromrechnung nicht durch Sparmaßnahmen reduzieren können.

Gerade habe ich einen Vertrag mit Ares abgeschlossen. Jetzt kommt Yello mit dem 19/19-Angebot auf den Markt. Was mache ich jetzt?

ROSE: Wir waren eines der ersten Unternehmen mit billigerem Strom. Andere haben natürlich nachgezogen. Warten Sie ab. In den kommenden Tagen werden wir neue - wettbewerbsfähige - Angebote vorlegen. Das neue Preissystem ist so hart kalkuliert, dass wir überzeugt sind, mit den Konkurrenten mithalten zu können.

Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Dafür bietet mir die Bewag sehr billigen Strom. Sollte ich jetzt überhaupt über den Wechsel des Anbieters nachdenken?

ROSE: Ihr Nachtstrom kostet zwischen sieben und zwölf Pfennig pro Kilowattstunde. So billig kann Ihnen sonst niemand den Strom liefern. Ich schlage vor, dass Sie Ihren Stromverbrauch splitten. Für die Nachtspeicherheizung bleiben Sie Kunde der Bewag. Für den restlichen Verbrauch prüfen Sie den Wechsel zu einem anderen Anbieter. Wir übernehmen beispielsweise die Koordinierung Ihrer Stromlieferungen mit der Bewag.

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