Wirtschaft : Sommer geht – die T-Aktie steigt

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Berlin (asi/mot). Der Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom hat am Dienstag zurückhaltende Reaktionen ausgelöst. Während die T-Aktie nach dem Rücktritt von Ron Sommer vorübergehend kräftig zulegen konnte und mit 10,93 Euro (plus 6,1 Prozent) schloss, zeigten sich Aktionärsvertreter skeptisch. Die Ernennung des 72-jährigen Helmut Sihler zu Sommers Nachfolger wurde allgemein als Übergangslösung betrachtet. Die Rolle der Bundesregierung als Hauptaktionär der Telekom wurde von der Opposition scharf kritisiert.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bescheinigte Sommers Nachfolger, dem ehemaligen Henkel-Chef Sihler, und dessen Stellvertreter, Telekom-Technik-Vorstand Gerd Tenzer, eine „gediegene Kenntnis der Telekom-Probleme“. Sommer hatte die Entscheidung zu seinem Rücktritt unter anderem mit der öffentlichen Diskussion in den vergangenen Tagen über seine Person begründet. Dies habe zu „Irritationen und Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kapitalanlegern“ geführt, sagte Sommer. Mit dieser Kritik zielte er vor allem auf die politische Diskussion der vergangenen Tage ab.

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU, Dietrich Austermann wies die Verantwortung Finanzminister Eichel zu. Dem Unternehmen sei „schwerer Schaden“ zugefügt worden, sagte Austermann dem Tagesspiegel. Nachdem das für die Telekom zuständige Ministerium zuerst monatelang nicht gehandelt habe, sei Eichels Staatssekretär Manfred Overhaus zuletzt „tölpelhaft“ vorgegangen. „Die Bundesregierung hat versagt“, sagte Austermann. Im Finanzministerium müsse das personelle Konsequenzen nach sich ziehen, forderte Austermann mit Blick auf die Staatssekretäre Overhaus und Heribert Zitzelsberger, der für das Ministerium im Telekom-Aufsichtsrat sitzt. „Dass Eichel selbst nach dieser Vorstellung im September den Hut nehmen muss, versteht sich".

„Diesen Rücktritt haben die Aktionäre seit langem gefordert“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dem Tagesspiegel. Die Begleitumstände seien freilich „ein Alptraum“ gewesen. „Dass der Chef der Deutschen Telekom unter diesem politischem Druck gehen musste, schadet dem Finanzplatz Deutschland.“ Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, bezeichnete die Telekom als „führerlos“. Der Übergangsvorstand werde wohl erst nach der Bundestagswahl ausgewechselt, „weil sich vorher kein Spitzenmanager findet, der diesen Feuerstuhl besetzt“. Bis dahin gehe der Vorstand geschwächt in neue Verhandlungen. Sihler betonte, er werde sich auf zwei Aufgaben konzentrieren: Dies sei die Suche nach einem geeigneten Nachfolger an der Telekom-Spitze sowie den bereits eingeleiteten Konsolidierungskurs „kraftvoll zu unterstützen“.

Die übrigen Vorstandsmitglieder der Telekom ziehen aus dem Rücktritt Sommers keine personellen Konsequenzen. Keiner der sieben Vorstände habe seinen Rückzug erwogen, sagte Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus. Die geplante „drastische Konsolidierungskurs“ sei mit dem Vorstand eng abgestimmt worden. Die finanziellen Modalitäten für den Abgang Sommers seien im übrigen geregelt. Einzelheiten nannte Winkhaus nicht.

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