Wirtschaft : Sony setzt auf deutschen Filmboom

In Babelsberg wird noch in diesem Jahr mit der Produktion deutschsprachiger Filme begonnen POTSDAM (thm/val/HB).Die HollywoodFirma Columbia Tristar, die zum japanischen Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony gehört, will bis zum Jahr 2005 für rund 100 Mill.DM deutschsprachige Kinofilme in der Region Berlin-Brandenburg produzieren."Der deutsche Filmmarkt wächst weltweit am schnellsten.Wir hoffen auf ein gewinnbringendes Geschäft", sagte Ken Lemberger, Präsident der Columbia Tristar Motion Picture Group (Los Angeles) am Freitag beim Startschuß für das Sony Engagement in der Medienstadt Babelsberg.Es gehöre zur langfristigen Strategie des Konzerns, sich mit Produktionen in Landessprache in Schlüsselmärkten zu engagieren. Man gehe davon aus, daß das rasante Wachstum des deutschen Filmmarktes anhalte, der mit jährlich 143 Millionen Zuschauern und allein 300 neu errichteten Kinos in den letzten Jahren boomte.Der bereits auf 18 Prozent gestiegene Anteil des deutschen Films am deutschen Filmmarkt werde bis 2005 vorraussichtlich auf 25 Prozent steigen, sagte Jürgen Schau von der Columbia Tristar Film.Deutsche Filme erreichten 1997 einen Marktanteil von 18 Prozent, Lemberger erwartet bis zu 25 Prozent.Allein mit Filmen und Videos setzt Sony derzeit 250 bis 300 Mill.DM in Deutschland um.Der Erfolg des Films "Men in black", der am Start-Wochenende in Deutschland 20 Mill.DM einspielte, zeige, daß das Geschäft mindestens so profitabel sei wie in den USA.Auch "Die Hochzeit meines besten Freundes" haben über drei Millionen deutsche Zuschauer gesehen.In Deutschland liegt Columbia/Tristar hinter Paramount und UIP auf Platz Drei der Filmverleiher. Für das ausgeweitete Deutschland-Engagement hat das zur Sony Picture Entertainment Gruppe gehörende Hollywood-Unternehmen Columbia Tristar eine Tochtergesellschaft, die Deutsche Columbia Tristar Film Production GmbH, gegründet.Sony Picture ist das erste große Hollywood-Studio, das eine komplette Produktionsfirma (Film und Fernsehen) in Deutschland aufbaut.Die junge Deutsche Tochter unterhält Büros in Babelsberg und München, will nach Worten ihrer Geschäftsführerin Andrea Willson aber mittelfristig in Berlin-Brandenburg ihren Hauptsitz nehmen.Babelsberg werde der Hauptstandort der Firma. Ziel sei, noch in diesem Jahr mit der Produktion der ersten Kinofilme, 1999 mit zwei bis drei Produktionen mit einem Anfangsbudget von jeweils 4 Mill.DM zu beginnen.Konkrete Projekte gebe es aber noch nicht.Langfristig will die Deutsche Columbia Tristar jährlich vier Filme drehen, sagte Willson.Man strebe an, einen "großen Anteil" davon in Berlin-Brandenburg zu produzieren.Daß, wie eine Berliner Zeitung berichtet hatte, sogar vier internationale Kinoproduktionen mit Stars wie Julia Roberts oder Robin Williams geplant seien, wurde dagegen von Lemberger dementiert."Auch über eine Beteiligung von Sony an den Babelsberger Studios gibt es bislang keine Gespräche", erklärte Pierre Couveinhes von der Medienstadt Babelsberg.Er begrüße das Sony-Engagement: Es könne ausgleichen, daß Berlin und Brandenburg mit rund 30 Mill.DM Filmförderung aus Landestöpfen den "ärmsten Filmboard" Deutschlands hätten. Für das angekündigte 100-Millionen-Engagement hat Sony Picture Entertainment mit der Brandenburger Landesinvestitionsbank (ILB) einen Investitions- und Unterstützungsvertrag unterzeichnet.ILB-Vorstandschef Klaus-Dieter Licht sprach von einem "Meilenstein" für die Medienstadt Babelsberg.Förderzusagen für Sony gebe es bisher nicht, sagte Medienstaatssekretär Erhard Thomas.Tristar-Präsident Lemberger versicherte, daß die angekündigten 100 Mill.DM für deutschsprachige Produktionen ausschließlich aus Sony-Kapital aufgebracht werden.Das Engagement der Sony-Hollywood-Firmen in Deutschland geht aber weit darüber hinaus.Bis zum Jahr 2000 wird die Sony Europa Zentrale ins Sony Center am Potsdamer Platz umziehen.Sony und die Commerzbank haben bereits im vergangenen Jahr einen Fonds für Medienproduktionen aufgelegt, der inzwischen dem Vernehmen nach bereits ein Volumen von weiteren 100 Mill.DM umfaßt.Der Vorsitzende der Brandenburger Landesinvestitionsbank Licht bezeichnete es als realistisch, daß dieser Fonds in den nächsten zwei Jahren auf 800 Mill.DM anwachsen kann.Medienstaatssekretär Thomas meint, daß über diese Töpfe für private Filmproduktionen aus dem Großraum Berlin-Brandenburg in den nächsten Jahren jährlich 200 Millionen Mark zu Verfügung stehen werden.

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