Sozialdumping : Ryanair-Chefs wehren sich im Streit um Arbeitsbedingungen

Die Fluggesellschaft Ryanair wehrt sich gegen Vorwürfe, ihre Piloten nicht richtig zu bezahlen. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo spricht von "prekärsten" Bedingungen.

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Noch stehen die Ryanair-Flieger in Frankfurt Hahn. Ab März 2017 sollen sie auch von Frankfurt am Main starten.
Noch stehen die Ryanair-Flieger in Frankfurt-Hahn. Ab März 2017 sollen sie auch von Frankfurt am Main starten.Foto: dpa

Ralf Müller ist sauer. Der Betriebsratsvorsitzende von Lufthansa Cargo in Frankfurt wirft Stefan Schulte, Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport vor, mit dem irischen Billigflieger Ryanair, der ab März 2017 auch von Frankfurt aus abheben wird, die Tür für prekäre Arbeitsverhältnisse zu öffnen. Ryanair wird Sozialdumping vorgeworfen. Personalvorstand Eddie Wilson weist solche Vorwürfe entschieden zurück. „Ryanair bietet wettbewerbsfähige Gehälter und Arbeitsbedingungen. Alle Sozialabgaben werden bezahlt“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ein Flugkapitän bei Ryanair verdient Wilson zufolge zwischen 125 000 und 160 000 Euro im Jahr, bei einem ersten Offizier, also einem Kopiloten seien es 65 000 Euro. Und dies bei weniger als 19 Flugstunden in der Woche. Flugbegleiter kommen Wilson zufolge auf 20 000 bis 25 000 Euro bei zumeist 19 Flugstunden pro Woche und im Schnitt zwölf Arbeitstagen im Monat. Bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo dagegen spricht man von den „prekärsten“ Arbeitsbedingungen bei einer Airline in Europa. „Ein in Deutschland lebender und arbeitender Ryanair-Flugbegleiter in Vollzeitanstellung erhält ein Bruttojahresgehalt zwischen 11 000 und maximal 18 000 Euro. Das ist unterhalb des deutschen Mindestlohns“, sagt Ufo-Chef Alexander Behrens. Es gebe keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keine Beitragszahlungen zur Renten- und Sozialversicherung. Bei Entlassungen bestehe kein Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sozialdumping gehöre zur Unternehmensstrategie.

Nur 34 Prozent der Piloten beschäftigt Ryanair direkt

Personalchef Wilson weist das zurück. Im April habe Ryanair für alle Berufsgruppen einen bis 2021 laufenden Haustarifvertrag abgeschlossen, unter anderem mit jährlichen Gehaltserhöhungen von rund zwei Prozent. Flugbegleiter würden demnach mit zehn Prozent am Umsatz im Bordverkauf beteiligt. „Und natürlich zahlen unsere Piloten und Flugbegleiter und Ryanair in Deutschland die Sozialabgaben.“

Nach Gewerkschaftsangaben beschäftigt Ryanair nur 34 Prozent der Piloten direkt, 30 Prozent über Zeitarbeitsfirmen und Drittfirmen, der Rest sei selbstständig. Wilson spricht von 65 Prozent fest angestellten Piloten, 20 Prozent kämen von Dienstleistungsfirmen. Angeblich muss Ryanair für nicht fest verpflichtete Piloten keine Sozialabgaben abführen, zudem gebe es keinen Anspruch auf Krankengeld. Im Sommer hatten Ermittler die Privatwohnungen von Ryanair-Piloten durchsucht und sie befragt. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug. Dies richtet sich auch gegen zwei britische Finanzdienstleister, die selbstständige Piloten unter anderem an Ryanair vermitteln. Gegen den irischen Billigflieger selbst wird aber nicht ermittelt. Wilson spricht von einer hysterischen Reaktion der Behörden. Er glaubt, dass die Piloten Steuern und Sozialabgaben korrekt begleichen.

Im September seien den Piloten in Deutschland neue Arbeitsverträge angeboten worden, heißt es bei der Pilotenvereinigung Cockpit – mit schweren Mängeln. Es gelte irisches Recht und damit ein eingeschränkter Kündigungsschutz, bei Krankheit müsse nachgearbeitet werden, sonst drohe eine Gehaltseinbuße.

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