Wirtschaft : Spekulanten brauchen 200 000 DM, viel Zeit und einen Anlageberater

Seit fünf Jahren verwaltet die Deutsche Postbank über ihre Auslandsdependance in Luxemburg, die Deutsche Postbank International, das in ihren 13 Fonds angelegte Vermögen von rund 2,7 Mrd.DM.Leiter des Luxemburger Portfolio-Managements ist Helmut Peuser.Henrik Mortsiefer sprach mit ihm über Altersvorsorge, Aktienfonds und die aktuellen Spitzenreiter auf dem internationalen Börsenparkett. TAGESSPIEGEL: Herr Peuser, von den ab 1.April zugelassenen Pensions-Sondervermögen verspricht sich die Investmentbranche einen Boom bei der Altersvorsorge.Teilen Sie diese optimistische Einschätzung? PEUSER: Ich bin mittelfristig auch sehr optimistisch, daß die neuen Produkte dem Markt einen Schub geben werden.Die private Altersvorsorge wird für viele Menschen, vor allem die jüngeren, immer mehr zu einem Thema.Das gesetzliche Rentensystem ist am Ende. TAGESSPIEGEL: Mit welchen Beträgen sollte man denn einsteigen? PEUSER: Schon mit 100 DM im Monat, die in Aktienfonds investiert werden, kann man seine private Altersversorgung aufbauen.Als Faustregel gilt dabei: Je jünger, desto höher der Aktien-Anteil.Und: Je länger die Anlagedauer, desto besser.Für die Altersvorsorge sollten es mindestens zehn Jahre sein. TAGESSPIEGEL: Würden Sie auch mit kleineren Beträgen auf Einzelwerte setzen? PEUSER: Nein.Wer nicht mehr als 200 000 DM zur Verfügung hat, sollte auf Fonds setzen.Die Märkte werden immer komplizierter und hängen immer stärker zusammen.Da verlieren selbst Profis schnell den Überblick.Wer in Einzelaktien investieren will, braucht viel Kapital, viel Zeit und einen guten Anlageberater.Die Hälfte aller Spekulanten fällt mit selektiven Investments auf die Nase.Deshalb rate ich auch meinen Mitarbeitern und Verwandten zu Fonds. TAGESSPIEGEL: Zum Beispiel?PEUSER: Unser Haus bietet zum Beispiel den sehr erfolgreichen "Postbank Dynamik Global" an, der als weltweit anlegender Aktienfonds im vergangenen Jahr 47 Prozent zugelegt hat und in einigen Fonds-Rankings die Nummer Eins war. TAGESSPIEGEL: Die Postbank beschränkt sich auf wenige Fonds.Warum? PEUSER: Wir wollen 80 Prozent der Bevölkerung versorgen, aber unsere Kunden sollen nicht unter unendlich vielen, spezialisierten Produkten auswählen müssen.Von den 13 Fonds, die wir heute anbieten, sind schon einige geschlossen.Wir werden die Produktpalette weiter verkleinern.Die Postbank versteht sich als Bank für das Wesentliche. TAGESSPIEGEL: Welche internationalen Aktien haben Sie derzeit auf der Kaufliste? PEUSER: Unter den Spezialwerten favorisiere ich Internet-Stocks wir AOL oder Yahoo, die allerdings schon sehr gut gelaufen sind.Interessant sind auch die Papiere des Chipproduzenten ASML, des Softwarehauses Baan und der SCM Microsystems. TAGESSPIEGEL: Und wer fällt Ihnen in Deutschland auf? PEUSER: Conti würde ich am ehesten als Kaufkandidaten einstufen.Auch das Preussag-Papier hat ein lange Pause gemacht.Hier sehe ich eine Kursziel von 60 DM.Daneben sind Daimler, Deutsche Bank und SAP empfehlenswert. TAGESSPIEGEL: Welche Länder beobachten Sie momentan besonders aufmerksam? PEUSER: Outperformer sind Italien oder Spanien.Hier haben die Börsen im vergangenen Jahr Zuwächse von über 25 Prozent verbucht.Interessant sind zudem die Niederlande, die Schweiz und Schweden.

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