Wirtschaft : Spekulieren ist tabu - Awo überdenkt Beziehungen zur Deutschen Bank

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Die deutschen Wohlfahrtsverbände legen ihr Geld bei der Bank für Sozialwirtschaft (BfS) in Köln an. Das Institut wurde 1923 gegründet, Anteilseigner sind zu je einem Drittel die Caritas und die Diakonie. Weitere elf Prozent halten jeweils das DRK, die Awo und der Paritätische Wohlfahrtsverband. "Die Bank war ursprünglich eine Selbsthilfeeinrichtung, mit der vorhandene Mittel effizient genutzt werden sollten", erklärt Pressesprecherin Stephanie Rüth. Heute betreut die Bank für Sozialwirtschaft das komplette Bankgeschäft der Wohlfahrtsverbände und erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Bilanzsumme von 5,3 Milliarden Mark.

Der Schwerpunkt in der Geldanlage liegt bei festverzinslichen Wertpapieren, aber auch die Nachfrage nach Aktien steigt. "Knapp sieben Prozent unserer Depots sind inzwischen Aktien, vor fünf Jahren lag diese Quote noch bei null Prozent", sagt Rüth. Dabei zählten allerdings weniger ethische Gesichtspunkte als vielmehr der Sicherheitsaspekt. So enthalten die Fonds der BfS zwar Aktienanteile von bis zu 30 Prozent. "Aber das sind ausschließlich Blue-Chips-Werte, da eine erstklassige Bonität wichtig ist. Und die werden lange liegen gelassen", betont die Sprecherin.

Auch die Wohlfahrtsverbände haben sich noch nicht vom Aktienfieber anstecken lassen. "Wir wollen und wir dürfen nicht spekulieren", sagt Robert Batkiewicz, Finanzdirektor des deutschen Caritasverbandes. Aktien, die aus Erbschaften an die Caritas gehen, würden schleunigst verkauft. Insgesamt hat der Verband 177 Millionen Mark angelegt, hauptsächlich in Tagesgeldern, Festgeldern und festverzinslichen Wertpapieren. Das DRK hält sich ebenfalls von Aktien fern, das Geld werde selten länger als drei Monate bei der Bank gelagert. "Das ist bei uns ein durchgehender Posten. Die Spenden sollten möglichst zeitnah verwendet werden", erklärt Lübbo Roewer, Sprecher des DRK-Bundesverbandes.

Die Arbeiterwohlfahrt verfolgt in ihrer Geldpolitik eine sogenannte mündelsichere Anlage, Spekulationen sind tabu. Allerdings berücksichtigt sie im weitesten Sinne ethische Kriterien. "Zu Banken mit einer zweifelhaften Ausrichtung unterhalten wir keine Geschäftsbeziehungen", sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Awo-Bundesverbandes, Hans-Peter Niemeier. Angesichts der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank und der damit verbundenen Auslagerung an die Bank 24 sagt er: "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Awo die Beziehungen dorthin abbricht."

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