Wirtschaft : Spiegel: Kohl fordert volle Amtszeit für Duisenberg

Kohl dementiert Bericht / Weiter Streit um EZB-Präsidentschaft BONN (AP/rtr).Die Bundesregierung hat einen Bericht des "Spiegel" zurückgewiesen, Bundeskanzler Helmut Kohl favorisiere den Niederländer Wim Duisenberg als Chef der künftigen Europäischen Zentralbank (EZB).Ein Regierungssprecher sagte am Freitag auf Anfrage in Bonn, "die Bundesregierung beteiligt sich nicht an einer Kandidatendiskussion, die regelmäßig in den Medien geführt wird".Er verwies auf das bekannte Verfahren, wonach am 2.Mai in Brüssel die Kandidaten für die Europäische Währungsunion (EWU) bestimmt und die Empfehlung für das Direktorium der EZB abgegeben werden."Der Spiegel" hatte vorab berichtet, Kohl favorisiere Duisenberg und verlange, daß Duisenberg die volle Amtszeit von acht Jahren an der Spitze der EZB amtiere.Frankreich hatte im November seinen eigenen Notenbankchef Jean-Claude Trichet für das Spitzenamt nominiert.In dem Konflikt um den Chefposten in der EZB wurde als Kompromiß die Halbierung der Amtszeit vorgeschlagen. An der Amtszeit von acht Jahren werde festgehalten, betonte der CSU-Europaabgeordnete Ingo Friedrich am Freitag in Bonn.Er wies entschieden den Vorstoß der SPD im Europaparlament zurück, die Notenbank unter parlamentarische Kontrolle zu stellen.Der Protest richtet sich gegen die Präsidentin des Unterausschusses Währung im Straßburger Parlament, Christa Randzio-Plath.Die SPD-Politikerin ist für die Möglichkeit eines Mißtrauensantrags gegen den EZB-Präsidenten und ein Mitspracherecht der Abgeordneten bei der Auswahl der Zentralbankdirektoren.Die Christdemokraten begründen ihre Ablehnung damit, daß die Unabhängigkeit der EZB voll zu gewährleisten sei.Zur Personalkontroverse, in der Frankreich seinen Notenbankchef Jean-Claude Trichet zum ersten Chef der EZB machen möchte, erklärte Friedrich, die Einigung auf eine Person könne nur im Dialog und einvernehmlich erfolgen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet in seiner neuen Ausgabe, Frankreichs Präsident Jacques Chirac habe Interesse an einer Teilung der achtjährigen Amtszeit zwischen beiden Kandidaten erkennen lassen.Das wäre zwar nicht konform mit dem Maastricht-Vertrag, aber intern regelbar gewesen.Dagegen verlange Kohl die volle Amtszeit für Duisenberg.Unter Berufung auf Bonner Regierungskreise hatte in dieser Woche das Magazin "Stern" berichtet, eine Einigung in dem Streit zwischen Bonn und Paris sei nicht vor den französischen Regionalwahlen am 15.März zu erwarten.

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