Spionage : Gefahr aus dem Ausland

Fremde Staaten und Konzerne spionieren deutsche Firmen aus. Der Schaden: 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Yasmin El-Sharif,Michael Schmidt
Cebit
Konzentriertes Wissen: Messen wie die Cebit ziehen Industriespione an. -Foto: dpa

Berlin - Wirtschaftsspionage dürfte in den kommenden Jahren zu einer noch stärkeren Bedrohung für deutsche Unternehmen werden. „Wir beobachten mit großer Sorge, wie der illegale Transfer von Wissen zunimmt“, sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, am Montag auf einer Konferenz zum Thema Industriespionage in Berlin. Schwellenländer wie China, Indien oder Russland, seien besonders darauf aus, wichtige Errungenschaften aus Wirtschaft und Forschung für sich zu gewinnen. Zu erklären sei dies mit einem hohen Nachholbedarf mancher Staaten und Unternehmen. „Viele Länder, vor allem in Asien, versuchen nun die technische Lücke zu den westlichen Ländern zu schließen.“ Der Wirtschaft entstehe ein jährlicher Schaden von schätzungsweise 20 Milliarden Euro, sagte Hanning. Die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Wirtschaft beziffert das Gefährdungspotenzial sogar auf bis zu 50 Milliarden Euro.

Vor allem die Computerspionage mit Viren und Trojanern nehme zu, sagte Hanning. Attacken mit Trojanern, also PC-Programmen, die als nützliche Anwendung getarnt sind, aber für Spionagezwecke eingesetzt werden, ließen sich aus dem Ausland relativ einfach vornehmen. Aber auch Forscher, die für einige Jahre im Ausland eingesetzt würden, trügen Wissen in ihre Heimat zurück. „Zum Teil geschieht dies auf legalem, oft aber auch auf illegalem Weg“, sagte der Staatssekretär. Inzwischen gingen die chinesischen Spionage-Strategien sogar so weit, dass über entsandte Praktikanten das Wissen ausländischer Konzerne ausgeforscht werde. „Die Unternehmen sollten hier wirklich vorsichtig sein“, sagte Hanning. Auch mit Blick auf die eigenen Mitarbeiter. Denn 80 Prozent der Fälle würden von eigenen Leuten verursacht. Besonders betroffen seien forschungsintensive Branchen, wie etwa der IT-Sektor oder die chemische Industrie.

Abhilfe könnten hier nur Sicherheitsüberprüfungen schaffen. „Aber Sicherheit hat in den deutschen Industrieunternehmen keinen großen Stellenwert“, bedauerte der Staatssekretär. Nur in jedem vierten Unternehmen würden die Gefahren der Industriespionage ernst genommen. Das sei bei weitem zu wenig. Besonders gefährdet seien kleinere und mittlere Unternehmen, sagte der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans Elmar Remberg. Sie seien besonders innovationsfreundlich, aber zum Teil ohne das nötige Bewusstsein für Schutz- und Sicherheitsmechanismen.

Remberg strich heraus, in welchem Maße die Nachrichtendienste anderer Staaten am illegalen Know-How-Transfer teilhaben. Lag der Schwerpunkt der Spionage zu Zeiten des Kalten Krieges noch auf Informationen aus Politik und Militär, so gehe es heute vor allem um die Ausforschung von Betrieben. Hauptakteure seien die Dienste Chinas und der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. In Russland und der Ukraine seien sie sogar gesetzlich verpflichtet, die Wirtschaft ihres Landes zu unterstützen.

Staatssekretär Hanning rief zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und Wirtschaft in Deutschland auf. „Wir müssen praktisch mehr tun.“ Sonst sei der Wettbewerbsvorteil Deutschlands gefährdet.

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