Wirtschaft : Spitzenverband rechnet nach Fehlstart im Jahr 2000 mit weiterem Arbeitsplatzabbau

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Die deutsche Bauwirtschaft wird sich nach Ansicht des Bauindustrieverbandes zu einem "Konjunkturbremser" entwickeln und damit vom gesamtwirtschaftlichen Aufschwung abkoppeln. "Die Bauwirtschaft lahmt", sagte Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, auf der Jahrespressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Das Jahr 2000 habe mit einem Fehlstart begonnen. Die Zahl der Auftragseingänge im Bau sei in den ersten beiden Monaten insgesamt um mehr als acht Prozent zurückgegangen, beim Wohnungsbau sogar um 12,3 Prozent. "Wenn es so bleibt, wäre das eine Katastrophe", sagte Walter.

Während sich die Lage in den alten Bundesländern stabilisiert habe, sei die Situation in den Neuen Bundesländern "weiter dramatisch", sagte Walter. Die erhoffte Trendwende sei ausgeblieben. Insgesamt sei ein Umsatzrückgang von 0,3 Prozent auf 202,3 Milliarden Mark zu verzeichnen, nach einem Plus von einem Prozent (202,9 Milliarden) in 1998.

Sorgen bereitet der Bauwirtschaft insbesondere der Wohnungsbau. Nachgebende Mieten böten Investoren wenig Anreiz für Neubaumaßnahmen. Nach einer Prognose des Bauindustrieverbandes wird die Zahl der Wohnungsfertigstellungen in diesem Jahr auf das Niveau von 1993 zurückfallen. In Westdeutschland werden demnach 360 000 Einheiten in Westdeutschland und 90 000 in Ostdeutschland an den Markt kommen. Vor allem die im öffentlichen Bau tätigen Unternehmen müssten sich auf schwere Zeiten einstellen, prognostizierte Walter. Der Verband geht davon aus, dass die Umsätze im öffentlichen Bau in diesem Jahr im Westen um ein Prozent, im Osten um 1,5 Prozent zurückgehen werden. Die öffentliche Hand forderte Walter auf, mehr in den öffentlichen Wohnungsbau zu investieren. Stattdessen planten die westdeutschen Länder für das laufende Jahr eine weitere Absenkung der Bauetats.

Während in anderen Branchen die Arbeitslosigkeit zurückgehe, werde sie im Bau im laufenden Jahr erneut steigen, prognostizierte der Spitzenverband. Von den derzeit 1,1 Millionen Beschäftigten im Bau würden voraussichtlich 32 000 ihren Job verlieren, davon 17 000 im Osten und 15 000 im Westen.

Die deutsche Bauindustrie sei mit gut 200 Milliarden Mark Jahresumsatz im Bauhauptgewerbe, über 80 000 Firmen nach wie vor einer der Schlüsselzweige der gesamten Wirtschaft. Jeder Arbeitsplatz in der Bauindustrie sorgt nach Angaben ihres Hauptverbandes für 2,4 Jobs in anderen Branchen und jede Mark Investition am Bau zieht 2,40 Mark Investitionen in der Gesamtwirtschaft nach sich. Verbandspräsident Walter forderte die Politik auf, die Bauwirtschaft mit der Steuerreform nicht "tot zu sparen" und private Investitionen stärker zu fördern. Außerdem müsse es bei Ausschreibeverfahren "mehr Kontinuität" geben. Vor allem mittelständische Unternehmen seien auf eine zügige Auftragsvergabe angewiesen. Den Bund müsse zu einer "seriösen Zahlungmoral" zurückzukehren. Fällige Zahlungen würden oft über Monate zurückgehalten.

Zu den am Mittwoch begonnenen Schlichtungsverhandlungen für die ostdeutsche Bauindustrie sagte Walter, er könne angesichts der dramatischen Lage in der Bauindustrie nicht verstehen, wie man sich um Sommerarbeitszeiten streiten könne. Er forderte die Tarifparteien auf, Flexibilität zu zeigen und sich auf Jahresarbeitszeiten zu verständigen.

In den Verhandlungen zeichnete sich bis zum Redaktionsschluss keine Annäherung ab. In Gewerkschaftskreisen wurde ein Scheitern der Schlichtung unter Vorsitz von Heiner Geißler nicht mehr ausgeschlossen. In der entscheidenden dritten Runde habe es bisher keine Annäherung gegeben.Weitere Informationen unter www.bauindustrie.de .

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