Wirtschaft : Sportartikel: Ein Kick für die Hersteller

tmh/bir

Die deutsche Sportartikelbranche blickt mit Optimismus in die Zukunft. "Wir profitieren vor allem vom Wirtschaftsaufschwung in Deutschland und den wichtigsten Abnehmerländern", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikelindustrie (BSI), Siegfried Höhne, am Montag am Rande der Sportartikelmesse Ispo 2000 in München. Auch der Handel sei sehr zuversichtlich, fügte er hinzu. Bisher sei die Stimmung auf der Ispo sowohl bei den Herstellern als auch beim Handel sehr gut.

Einen Kick bekommt die ganze Branche vor allem durch die Tretroller. Die Kreuzung aus Skateboard und Roller ist derzeit in den Sportgeschäften der große Renner und die Industrie kommt mit der Produktion kaum noch nach. "Wer Kickboards am Lager hat, macht sensationelle Geschäfte", jubelte der Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel (VDS), Werner Haizmann, am Rande der Ispo. Er sagt dem neuen Trendsetter einen Aufstieg ähnlich den Inlineskates voraus. Die Roller-Umsätze würden derzeit einzig und allein von den Fertigungskapazitäten in Asien bestimmt.

Aber auch andere Sportarten tragen den Fachhandel dieses Jahr auf einer Welle des Optimismus: So reite die Branche in ganz Europa auf einem ungebrochenen Inlineskate- und einem neuen Fußballboom, sagte Haizmann. Rekordumsätze gebe es trotz der aktuellen Wetterlage auch bei Bade- und Outdoorbekleidung sowie allgemein bei Sportschuhen. Dazu verhelfe der schwache Euro allen heimischen Exporteuren zu übervollen Auftragsbüchern. Auch der Sommerschlussverkauf laufe im Handel gut an.

Für das erste Halbjahr 2000 haben die deutschen Fachverkäufer insgesamt ein seit Jahren in dieser Höhe unbekanntes Umsatzplus von 6,7 Prozent gemeldet, sagte Haizmann. Die Sortimentspolitik der Händler und das Wetter würden entscheiden, ob dieses Plus bis Ende 2000 weiter ausgebaut werden kann. 1999 konnte der heimische Sportfachhandel seine Umsätze um knapp drei Prozent auf 15 Milliarden Mark zu Endverbraucherpreisen steigern. Die Vorsteuerrendite liege unvermindert bei zwei bis drei Prozent. Auch für die mittlere Zukunft sind die Fachverkäufer zuversichtlich. So werde von der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland in den nächsten Jahren auch der Sportartikelhandel profitieren.

Auch die Sportartikelindustrie ist zuversichtlich. Die Branchenkonjunktur sei so günstig wie selten, sagte BSI-Sprecher Siegfried Paßreiter am Rande der Ispo. Da aber viele Artikel im Dollarraum produziert werden, verteuere sich die Beschaffung spürbar. So seien 1999 Sportartikel für 1,5 Milliarden Mark exportiert, aber mit Gütern im Wert von 3,4 Milliarden Mark wertmäßig mehr als doppelt so viele importiert worden.

Insgesamt erwartet Paßreiter für die Sportartikelindustrie für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von rund fünf Prozent, nachdem die Branche im ersten Halbjahr um drei bis fünf Prozent zugelegt habe. Die Ertragslage sei aber - besonders für die Unternehmen, die viel importierten - nach wie vor schwierig.

Eine weitere Gefahr für Handel und Industrie sei "der Angriff branchenfremder Organisationen" wie Aldi und Tchibo. Über derartige Verkaufsstellen würden derzeit fast ein Drittel aller Tennisschläger abgesetzt. Auch Outdoorartikel oder Sporttextilien würden von Aldi & Co immer mehr "ins Preisvisier genommen". Bisweilen werde dabei nur "billiger Krempel" unters Volk gebracht. Die Markenware drohe im Regal zu verstauben.

Unter dem Strich beurteilt dennoch fast die Hälfte aller heimischen Sportartikelhersteller ihre Lage als gut oder sehr gut, wie eine aktuelle BSI-Umfrage zeigt. Mehr als ein Drittel aller Hersteller beurteilen die Zukunft als noch günstiger. Vor Jahresfrist war nur ein Viertel dieser Meinung. Die Messe findet noch bis zum Mittwoch in München statt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben