Wirtschaft : Sri Lanka wirbt um Berliner Investoren

PETER BOLM

Wirtschaftsstandort von Asienkrise verschont / Steuervergünstigungen lockenVON PETER BOLM BERLIN.Touristen ist das Badeparadies Sri Lanka seit langem ein Begriff.Deutsche Investoren tun sich da schon etwas schwerer, das südasiatische Land in ihren Katalog möglicher Produktionsstätten im Ausland aufzunehmen.Dennoch gibt es eine Vielzahl guter Gründe, den mit 18 Millionen Einwohnern relativ kleinen Staat als Wirtschaftsstandort ernstzunehmen.Von der Asienkrise ist Sri Lanka nicht nur weitgehend verschont geblieben, im Gegenteil: die Landeswährung Rupie wurde aufgewertet, mit 5,5 Prozent 1997 zeigt das Wachstum steigende Tendenz und die Inflationsrate ist nach einem starken Anstieg auf 15,9 Prozent 1996 inzwischen wieder auf unter 12 Prozent gesunken.Durch Verkäufe staatlicher Unternehmen ist die Regierung bemüht, Schulden abzubauen, und gezielte Förderprogramme sollen helfen, die Infrastruktur des Landes zu verbessern.Drei Überlegungen, die eine Standortentscheidung erleichtern, gibt Hilde Welte, Referatsleiterin beim Wirtschaftsministerium in Bonn, deutschen Investoren mit auf den Weg: Steuervergünstigungen, die Möglichkeit eines 100prozentigen Einstiegs in das Investitionsprojekt und die freie Rückführung von Kapital oder Dividenden.Ein von beiden Ländern unterzeichnetes Abkommen zum Schutz des Investments sowie eine liberale Wirtschaftspolitik garantieren Sicherheit und sorgen dafür, daß der Standort noch auf Jahre für deutsches Kapital attraktiv bleibt, sagte Hilde Welte auf einem Seminar am Mittwoch in Berlin.Das gilt insbesondere für die eingerichteten Exportförderzonen, die aber in naher Zukunft auf das ganze Land ausgedehnt werden sollen.Eine der Vorzeigefirmen, die schon nach kurzer Gründungsphase schwarze Zahlen schreiben, ist der Metallbauer "Kramski GmbH" mit Hauptsitz im schwäbischen Birkenfeld.Entscheidend für Firmenchef Wiestaw Kramski, einer 8000 Kilometer vom Heimatort entfernten Insel den Vorzug zu geben, waren nicht zuletzt die niedrigen Löhne.Ein Facharbeiter, der in Deutschland einschließlich der hohen Nebenkosten rund 8000 DM verdient, bekommt in Sri Lanka umgerechnet etwa 300 DM.Für die teilweise sehr komplizierten Maschinen vor Ort entsprechende Fachkräfte zu finden, sei kein Problem, sagt Kramski.Mit einem Durchschnittseinkommen von 853 Dollar gehört Sri Lanka schon nicht mehr zu den armen Entwicklungsländern.Trotz niedriger Löhne wandern Branchen wie die Textilindustrie inzwischen in noch günstigere Regionen ab.Auch Wiestaw Kramski lockt bereits mit besseren Konditionen, um seine Mitarbeiter nicht zu verlieren.Weitere Nachteile sind die immer noch spürbaren Auswirkungen des Bürgerkriegs, Engpässe bei der Energieversorgung, Abstriche bei der Arbeitsproduktivität und die für eine Firma harten Kündigungsgesetze.Doch die Vorteile überwiegen.Nicht ohne Grund sagten bereits vor einigen Jahren 98 Prozent der deutschen Investoren in einer Umfrage, daß sie den Schritt nicht bereut hätten.Honorarkonsul Klaus Dames-Willers geht davon aus, daß die Zustimmung heute kaum weniger freundlich ausfallen dürfte.Der Geschäftsmann mahnt allerdings zur Vorsicht, wenn es um Firmenpartnerschaften geht.Längst nicht alle seien für eine Kooperation geeignet.Guter Rat sei wichtig und in ausreichendem Maße zu erhalten.Inzwischen sind die größten internationalen Investmentberater in Sri Lanka mit Niederlassungen vertreten.Lob verdient aus Sicht des Konsuls auch die aktive Aktienbörse des Landes.Noch sind die Umsätze mit etwa fünf Mill.Dollar täglich zwar gering, aber in der Tendenz wird die Börse schon heute immer häufiger für Investitionsfinanzierungen genutzt.Wichtige Zielbranchen für deutsche Investoren sind die Telekommunikation, der Straßenbau und die Wasserversorgung.Hinzu kommen die Sektoren Tourismus, Bankwesen, Textil- und Bekleidung, Lederwaren, Werkzeug- und Formenbau sowie Spielwaren und Elektronik.

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