Wirtschaft : Staatsanwalt ermittelt gegen Merck

Auch US-Börsenaufsicht leitet Untersuchung gegen den Pharmakonzern ein

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New York Der US-Pharmakonzern Merck & Co. kommt nach dem Rückzug seines Schmerzmittels Vioxx stärker in Bedrängnis. Sowohl das Justizministerium als auch die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) haben jetzt Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Das gab Merck in einer Pflichtmitteilung an die SEC bekannt.

Grund für das Vorgehen der Behörden ist offenbar der Verdacht, Merck habe nicht rechtzeitig vor den Nebeneffekten von Vioxx gewarnt. Der Pharmakonzern musste das Schmerzmittel mit einem Umsatzvolumen von jährlich 2,5 Milliarden Dollar im September vom Markt nehmen, nachdem eine interne Studie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Patienten festgestellt hatte. Auch in Deutschland sind Tausende von Patienten betroffen. Merck bekräftigte noch einmal, dass es „verantwortlich und angemessen“ bei der Entwicklung und Vermarktung von Vioxx gehandelt habe.

Das „Wall Street Journal“ hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass Merck bereits Mitte der Neunzigerjahre von den Risiken gewusst habe. Die Zeitung bezieht sich dabei auf interne Dokumente und E-Mails. Der Konzern warnte, dass die Ermittlungen der Behörden einen negativen Effekt auf die Finanzlage und die Ergebnisse haben könnten. Das Justizministerium und die SEC lehnten eine Stellungnahme ab. Sollten die beiden Behörden Merck Fehler im Umgang mit Vioxx nachweisen, könnte das den zahlreichen Sammelklagen gegen das Unternehmen zusätzliche Munition liefern. Bis Ende Oktober gab es in den USA 375 Klagen wegen Körperverletzung von etwa 1000 Sammelklägern. Die ersten Prozesse sollen im kommenden Jahr beginnen.

Für die Produkthaftung ist Merck mit rund 630 Millionen Dollar bei Versicherungen abgesichert. Nach Schätzung von Experten dürfte das Prozessrisiko weit darüber liegen. Der Rückzug von Vioxx kostete das Unternehmen im dritten Quartal bereits 550 Millionen Dollar und trug wesentlich dazu bei, dass der Reingewinn um 29 Prozent zurückging. tor/HB

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