Wirtschaft : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Nähmaschinen-Hersteller

Dem Vorstand des zahlungsunfähigen Nähmaschinenherstellers Pfaff droht ein Strafverfahren wegen Insolvenzverschleppung. Einen Tag nach dem Insolvenzantrag hat die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern am Dienstag ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwaltes Helmut Bleh besteht der Anfangsverdacht, dass das Unternehmen bereits Ende Juli zahlungsunfähig war. Die Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen begründet ihren Schritt mit immer noch ausstehenden Löhnen für Juli und August. Nach dem Aktiengesetz sei der Vorstand verpflichtet, innerhalb von drei Wochen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen. Falls dies mit Absicht versäumt wird, stehen darauf bis zu drei Jahre Haft.

Unterdessen bleibt das Schicksal der rund 1800 Pfaff-Beschäftigten weiter offen. Weder der Insolvenzverwalter, noch die Banken oder die Arbeitnehmervertreter hatten am Dienstag ein klares Bild über das tatsächliche Ausmaß der Unternehmenskrise. "Ich kann doch nicht hexen", sagte Insolvenzverwalter Robert Wieschemann.

Genaue Aussagen über die Vermögenslage könnten voraussichtlich erst in der nächsten Woche gemacht werden. Zunächst müsse der Kontakt mit den Gläubigerbanken hergestellt werden, um die Höhe der Schuldenlast genau beziffern zu können.

Die engagierten Kreditinstitute drängen ihrerseits auf die rasche Herstellung eines klaren Bildes. Neben den vorhandenen Bankschulden von 180 Mill. DM seien die Pensionsverpflichtungen ein weiteres "riesiges Problem". Pfaff habe in der Vergangenheit massiv Personal abgebaut und dabei auch komfortable Zusagen gemacht. Nun komme es darauf an, ob diese Verpflichtungen verlagert werden können. Dazu müssten die Betriebsrenten und die Ansprüche der Beschäftigten auf Altersversorgung vom Pensionssicherungsverein der deutschen Wirtschaft übernommen werden.

Wichtig für die deutschen Banken ist auch der Kurs der US-Bank Chase Manhattan. Das Institut soll allein ein Drittel der Pfaff-Finanzschulden in den Büchern haben. Die inländischen Geldhäuser sind offensichtlich nur zu Sanierungsbeiträgen bereit, "wenn Chase mit im Boot bleibt".

Angesichts der verworrenen Lage kursierten am Dienstag an den beiden Standorten Kaiserslautern und Karlsruhe zahlreiche Spekulationen über die Sanierungschancen des Traditionsunternehmens. Vor allem der Standort Karlsruhe glaubt fest an seine Zukunft. "Wenn Insolvenzverwalter Wieschemann uns schnell Geld zur Verfügung stellt, können wir in unserem erfolgreichen Haushalts-Nähmaschinenbereich sofort wieder an die Arbeit gehen", hofft die dortige Betriebsratsvorsitzende, Mirjana Schirmer.

Verärgerung hatte beim Betriebsrat und der Belegschaft ein vom Pfaff-Vorstand verhängter "Maulkorb" ausgelöst. Nach Angaben Schirmers wurde ihr eine eigene Pressekonferenz untersagt. Der Insolvenzverwalter will nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden am Mittwoch den Standort Karlsruhe besuchen und die mehr als 600 Beschäftigten über die Lage informieren.

Die immer wieder ins Gespräch gebrachten umfangreichen Liegenschaften werden von einigen Gläubigerbanken als Rettungsanker mittlerweile in Zweifel gezogen. Zum einen seien in der Vergangenheit bereits große Teile der Grundstücke verkauft worden. Bei den noch verbliebenen Flächen bestehe die Gefahr hoher Schadstoffbelastungen, die den Wert drückten.

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