Wirtschaft : Starbucks: US-Konzern kommt nach Deutschland

Bernd Matthies

Das Ziel des amerikanischen Starbucks-Konzerns ist nicht unbedingt bescheiden gewählt: "Wir wollen die bekannteste und am höchsten geschätzte Marke der Welt werden", heißt es in der Selbstdarstellung der Kaffeeröster aus Seattle, und dafür ist der größte deutsche Einzelhändler als Partner gerade recht. Am Donnerstag haben Starbucks-Präsident Peter Maslen und der Vorstandsvorsitzende des Karstadt-Quelle-Konzerns, Wolfgang Urban, in Berlin den Vertrag für ein Joint Venture unterzeichnet, dessen Ziel die Gründung von Starbucks-Kaffeehäusern in ganz Deutschland ist. Die zu diesem Zweck gegründete Karstadt-Coffee-GmbH gehört zu 82 Prozent dem Karstadt-Quelle-Konzern, den Rest halten die US-Partner. Der Verkaufsstart ist für Frühjahr 2002 in Berlin vorgesehen.

Karstadt-Vorstandschef Urban sieht die Kooperation mit der, wie er vor der Presse sagte, "sehr starken, jungen Marke" als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Verjüngung des eigenen Markenprofils, "ein deutliches Signal hinsichtlich der kulturellen Effekte". Sein Ziel ist es, mit Starbucks die Marktführerschaft unter dem Label "Coffee-House" zu erzielen. Gegenwärtig arbeiten in diesem Segment elf überwiegend lokale Anbieter mit rund 200 Betrieben, das Potenzial für Starbucks in Deutschland wird langfristig auf etwa 1450 Betriebe geschätzt. Langfristig anvisiert ist die Eröffnung von etwa hundert Kaffeehäusern jährlich, in der Startphase hofft man, auf zehn pro Jahr zu kommen. Das Budget liegt für den Anfang nach Angaben des Karstadt-Gastronomiedirektors Axel Weber bei 20 Millionen Mark, die überwiegend für Bau und Einrichtung der ersten Filialen eingesetzt werden sollen. Größere Werbeaktionen seien nicht vorgesehen, sagte er. Zunächst ist die Gründung von so genannten "stand alone"-Filialen geplant, später sollen Starbucks-Betriebe auch in den Warenhäusern entstehen.

Starbucks ist eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen weltweit. Es wurde 1971 in Seattle gegründet und belieferte über ein Jahrzehnt lang ausschließlich Restaurants und Bars in der Region mit frisch geröstetem Kaffee. Erst 1983 entdeckte der damalige Marketingdirektor (und heutige Starbucks-Vorstandschef) Howard Schultz in Italien die populären Espresso-Bars und testete das Konzept in Seattle. Seither sind in Nordamerika und 23 anderen Ländern 4600 dieser Coffee-Shops entstanden, der Umsatz pro Betrieb liegt bei durchschnittlich 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Sämtliche Kurven, die Maslen vor Journalisten im KaDeWe zeigte, weisen steil nach oben und scheinen weitgehend konjunkturunabhängig zu sein - entsprechend hat es in Amerika eine Fülle von Auszeichnungen gegeben, zuletzt 2001 im Wirtschaftsmagazin "Fortune" als "Most admired company" auf dem Ernährungssektor.

Die Starbucks-Kaffeehäuser bieten in regional angepasster Architektur überwiegend Kaffeespezialitäten im italienischen Stil - Espresso, Caffé latte, Cappuccino. Während die Shops in den USA in eigener Regie betrieben werden, arbeitet man im Ausland mit ortskundigen Partnern, vergibt aber auch Lizenzen. Die Gruppe kooperiert mit mehreren Fluglinien, den Hyatt-Hotels und der Buchladenkette Barnes & Noble, mit Lebensmittelkonzernen wie Pepsi und Kraft und mit Microsoft. Eine eigene Stiftung unterstützt beispielsweise Aids-Hilfsprogramme und die Verbreitung von Kinderbüchern, beteiligt sich aber auch am internationalen Entwicklungsprogramm Care, das beispielsweise den Menschen in den Kaffeeanbauländern hilft.

Das erste Starbucks-Haus auf dem europäischen Festland wurde im März 2001 in Zürich eröffnet, fünf weitere folgten dort sowie in Basel und Bern; ein weiterer Betrieb soll zum Jahresende in Wien eröffnet werden. Die Vereinbarung mit Karstadt ist der Beginn eines ehrgeizigen Programms mit dem Ziel der Ausbreitung in sechs weitere europäische Länder. Deutschland sei dabei einer der wichtigsten strategischen Märkte, sagte Maslen. Sein Ziel sind 20 000 Kaffeehäuser weltweit. Er hat angesichts dieser Pläne einen Trost für regionale Mitbewerber parat: Überall, wo man in der Welt neu auftrete, würden kleinere Café-Betriebe nicht verdrängt, sondern profitierten selbst vom Interesse am Thema, das durch Starbucks geweckt werde.

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