Wirtschaft : Starker Oktober weckt Konjunktur-Hoffnungen Experten uneins: DIW optimistisch, Kieler skeptisch

Carsten Brönstrup

Berlin - Die deutsche Wirtschaft hat ihre Wachstumsdelle aus dem dritten Quartal offenbar überwunden. Die Industrie produzierte im Oktober saisonbereinigt 0,6 Prozent mehr als im September, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Zudem exportierten die Unternehmen 1,2 Prozent mehr. Über die Aussichten für 2005 gehen die Meinungen aber auseinander: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit einem weiter soliden Wachstum, das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet dagegen eine Abschwächung des Wachstums auf 0,8 Prozent.

Zwischen Juli und Ende September hatte der Außenhandel das Wachstum noch leicht geschmälert. Experten hatten daraufhin befürchtet, der starke Anstieg des Euro-Dollar-Kurses sowie der hohe Ölpreis könnten ein Ende des Aufschwungs in Deutschland einleiten. Der Export ist die wichtigste Säule der deutschen Konjunktur – denn Staat, Verbraucher und Unternehmen haben in diesem Jahr streng gespart. Die Sorgen um eine nachlassende Auslandsnachfrage sind aber offenbar unbegründet. Gegenüber dem Oktober 2003 legte der Export sogar um 10,2 Prozent auf 64,4 Milliarden Euro zu. Der Import stieg um 7,3 Prozent.

Von einer Abschwächung des Wachstums könne daher keine Rede sein, sagte Andreas Cors, Konjunkturexperte des DIW, dem Tagesspiegel. „Die übrigen Länder Europas werden von der starken Weltkonjunktur erfasst, das stärkt auch die deutsche Wirtschaft.“ Eine leichte Abschwächung der Dynamik in China und in den USA, bislang die Motoren der Weltwirtschaft, werde die Lage hier zu Lande nicht verschlechtern. Nach Berechnungen des DIW hat sich das konjunkturelle Tempo am Jahresende sogar verstärkt. Im letzten Quartal werde es ein Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Zeitraum zwischen Juli und Ende September geben. Für das Gesamtjahr bedeute das ein Wirtschaftswachstum von 1,7 bis 1,8 Prozent. „Das spricht für einen guten Start ins neue Jahr“, versicherte Cors. Neben dem stabilen Export gebe es Indizien für ein Anziehen der Binnennachfrage. „Die Reformen der Regierung beginnen zu wirken.“ Als Beleg nennt das DIW steigende Umsätze im Einzelhandel und anziehende Investitionen der Unternehmen. Der Rückgang der Ölpreise lasse den Verbrauchern zudem mehr Spielraum beim Konsum. „Es gibt keinen Anlass, schwarz zu sehen“, erklärte Cors. Seine exakte Wachstumsprognose wird das DIW Anfang Januar abgeben. Bislang geht das Berliner Institut von einer um zwei Prozent stärkeren Wirtschaftsleistung aus.

Pessimistischer ist indes das IfW in Kiel – es senkte seine Erwartungen für das kommende Jahr am Donnerstag von 1,2 auf nur noch 0,8 Prozent. Das ist die verhaltenste Vorhersage aller Institute und Banken. Verantwortlich dafür sei, dass der Export nun an Schwung verliere, schrieben die Ökonomen. Der Anstieg der Ölpreise habe dazu geführt, dass sich das Wachstumstempo bei Deutschlands Handelspartnern verlangsamt habe. Mit dem steigenden Euro verlören zudem die deutschen Exporte an Wettbewerbsfähigkeit. Das IfW glaubt also nicht daran, dass der Rückgang beim Export im dritten Quartal nur vorübergehend war. „Mit der geringen Dynamik des Exports, die wir für die erste Hälfte kommenden Jahres erwarten, wird sich die Konjunktur merklich abkühlen“, heißt es. Carsten Brönstrup

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