Wirtschaft : Statt Lebkuchen-Essen beim Kanzler: Schlagabtausch mit dicken Knüppeln

Alfons Frese

Rumms. So schnell werden aus Sozialpartnern Bündnisgegner. Der eine hat das Vertrauen gebrochen und mit einer Falschmeldung die Öffentlichkeit manipuliert; der andere ist nicht mehr Herr seiner Entscheidungen sondern wird ferngesteuert von Hans-Olaf Henkel. Mit dicken Knüppeln schlagen Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte aufeinander ein. Die Nerven liegen blank, denn den 23. Dezember hatten sich die Kämpfer anders vorgestellt: Sie wollten beim Kanzler Lebkuchen essen und das Bündnis für Arbeit nach vorn bringen. Und anschließend gemeinsam die frohe Botschaft in die Kameras sprechen, dass das deutsche Konsensmodell lebt. Nun kam alles anders. Selbstverständlich ist für das vorläufige Platzen des Bündnisses immer der andere verantwortlich. Und selbstverständlich dürfte auch in diesem Fall die Wahrheit in der Mitte liegen.

Hat die Kanzlerrunde noch eine Perspektive? Das hängt vom Kanzler ab. Nach dem vorweihnachtlichen Schlagabtausch steht Gerhard Schröder wieder ganz am Anfang: Er wird Vertrauen schaffen müssen zwischen den Beteiligten. Bislang zeigte das Gespann Schulte/Hundt zumindest guten Verständigungswillen; insbesondere die Festlegung auf eine beschäftigungsorientierte Tarifpolitik war ein großer Fortschritt. Es blieb freilich Vesprechen. Wenn nun aber schon die Herren Schulte und Hundt nicht mehr miteinander können - wie sollen dann IG Metall-Chef Zwickel und BDI-Mann Henkel noch an einen Tisch kommen? An einen Tisch, an dem im übrigen Hans-Olaf Henkel nur missmutig Platz nahm. Henkel hatte von Anfang an Bedenken, ob Konsensrunden der Beschäftigung nützen. Um diesen Frieden ist es nun schlecht bestellt: Ende März 2000 endet die Friedenspflicht in der Metallindustrie. Dann zieht die IG Metall ihr übliches Programm durch; sie wird hoher Forderungen stellen und einen entsprechenden Abschluss durchsetzen - wenn Schröder die Beteiligten nicht zuvor noch rumkriegt.

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