Steigende Ticketpreise nach Air-Berlin-Aus : Wettbewerbshüter fordern Grenzen für die Lufthansa

Seit dem Ende von Air Berlin schießen die Preise für Flüge in die Höhe. Verbraucherschützer und Wettbewerbsexperten hoffen auf ein Eingreifen der EU.

Großes Ding: Die Lufthansa setzt in Berlin-Tegel Jumbos ein, um nach dem Aus für Air Berlin die Nachfrage zu befriedigen.
Großes Ding: Die Lufthansa setzt in Berlin-Tegel Jumbos ein, um nach dem Aus für Air Berlin die Nachfrage zu befriedigen.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Verbraucherschützer und Wettbewerbshüter hatten davor gewarnt: Wenn Air Berlin die Flügel streicht und die Lufthansa große Teile des einstigen Konkurrenten übernimmt, werden die Flugpreise in Deutschland steigen. Genau das ist passiert. Seitdem die insolvente Airline im Oktober ihren Flugbetrieb eingestellt hat, sind die Preise für Privatleute auf innerdeutschen Strecken an Werktagen um 26 Prozent, an Wochenenden um fast 40 Prozent gestiegen, hat das Internetportal „Mydealz“ herausgefunden. Für Geschäftskunden ist es teilweise noch teurer geworden. Der Verband Deutsches Reisemanagement spricht von Preiserhöhungen bis zu 50 Prozent. Besonders betroffen: Strecken aus Berlin und Düsseldorf, auf denen Air Berlin der einzige Konkurrent der Lufthansa war.

Erste Ansagen aus Brüssel im Dezember

Verbraucherschützer rufen jetzt nach dem Bundeskartellamt, das einen Machtmissbrauch der Lufthansa prüfen soll. Die Behörde will aber zunächst abwarten, was die EU-Kommission entscheidet. Dort ist EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit der Frage befasst, ob die Lufthansa von Air Berlin die Töchter Niki und LGW übernehmen darf, samt ihren Streckenrechten.
Nach Tagesspiegel-Informationen will die Dänin voraussichtlich am 7. Dezember bekannt geben, ob die Kommission die Übernahme durch die Lufthansa ohne weitere wettbewerbliche Bedenken durchwinkt oder nicht. Dieser Termin kann sich noch einmal um zehn Werktage nach hinten verschieben, falls die Lufthansa gegenüber der Kommission Zusagen macht, um bereits im Vorfeld der Entscheidung wettbewerbsrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen. Möglich wären Zugeständnisse, für Wettbewerb auf den Flugstrecken zu sorgen, auf denen die beiden Airlines bislang die einzigen Konkurrenten waren. Bisher soll es solche Zusagen nicht geben. Allerdings läuft die Frist für ein solches Entgegenkommen noch.

Daniel Zimmer: Lufthansa Grenzen setzen

Wettbewerbsexperte Daniel Zimmer fordert die EU-Kommission auf, die Lufthansa zur Abgabe bestimmter Maschinen, Start- und Landerechte an Wettbewerber zu verpflichten. „Gelingt dies, kann neuer Wettbewerb entstehen, und die Preise dürften sinken“, sagte der Ex-Chef der Monopolkommission dem Tagesspiegel. Die Lufthansa begründet den Preisanstieg mit den fehlenden Kapazitäten. Solange Brüssel nicht entschieden habe, dürfe man die rund 80 Air-Berlin-Maschinen nicht einsetzen, jeden Tag würden so 60.000 Sitzplätze fehlen, argumentiert Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Nach einem positiven Votum aus Brüssel kündigte Spohr 1000 zusätzliche Flüge der Lufthansa-Tochter Eurowings im Monat an. Für Zimmer ist das aber keine Lösung. Von einem hausinternen Wettbewerb zwischen Lufthansa und Eurowings sei „kein vergleichbar günstiger Effekt zu erwarten“ wie bei strengeren Vorgaben der EU-Kommission, meint der Jurist.

Brüssel dürfte Fusion nicht durchwinken

Zimmer kann hoffen. Dass die Fusion in Brüssel glatt durchgeht, ist unwahrscheinlich. Vestager hat schon vor Eingang des formellen Fusionsantrags Bedenken erhoben. „Offensichtlich überschneiden sich die Routen der beiden Fluggesellschaften in nicht geringem Maße“, sagte die Kommissarin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Auf einigen Strecken gebe es jetzt entweder einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol. „Deshalb müssen wir uns diese Übernahme sehr genau anschauen.“
Sollte die Kommission weder am 7. Dezember noch zehn Werktage später die Fusion genehmigen können, würden die Beamten in eine vertiefte Prüfung einsteigen. Dafür sind 90 Werktage vorgesehen, es gibt aber auch noch die Möglichkeit zur Verlängerung. Wie in Brüssel zu hören ist, bezieht die Kommission in ihre Prüfung aber nicht die aktuelle Explosion der Flugpreise mit ein. Es gehe um eine grundsätzliche Überprüfung, ob bei einer Fusion der beiden Airlines noch genügend Anreize für einen Wettbewerb gegeben seien, heißt es.

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