Wirtschaft : Steigt Mannesmann bei AOL ein? Ein Zusammengehen würde die Vodafone-Offerte unattraktiver machen

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Die Abwehrschlacht der Mannesmann AG gegen die Übernahme durch den britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone-Airtouch tritt in die heiße Phase ein. Spätestens am 7. Februr müssen sich die Mannesmann-Aktionäre entscheiden, ob sie ihre Papiere in Vodafone-Aktien tauschen möchten. Fast täglich gibt es neue Nachrichten, die die Anleger von der einen oder anderen Strategie überzeugen sollen. Am Freitag kündigte Mannesmann an, gegen Ende des Jahres mit der Deutschen Bank eine Tele-Commerce-Bank gründen zu wolllen: "Durch die vollständige Integration von Telekommunikation und Informationstechnologie wird Bankdienstleistung in der Internet-Welt neu definiert. Festnetz- und Mobiltelefon sowie der Internetzugang sollen zur Bankfiliale werden.

Mannesmann sei jetzt gefordert, den Investoren aufzuzeigen, wie es sich - ohne Vodafone - im Internetbereich weiter entwickeln will, sagt Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Wesentlich wichtiger für die Entwicklung des Konzerns ist aber die Frage, ob es zu einem Einstieg beim Online-Dienst AOL Europe oder zu einer Verschmelzung der Telekommunikationsaktivitäten mit dem französischen Mischkonzern Vivendi kommen wird.

Offiziell geben sich die Beteiligten zugeknöpft: Keine Stellungnahme, heißt es in Düsseldorf und dem Gütersloher Medienriesen Bertelsmann zu Presseberichten über einen bevorstehenden Einstieg von Mannesmann bei AOL Europe. In der Abwehrschlacht gegen die Vodafone-Offerte könnte sich der weltgrößte Online-Dienst für Mannesmann als Rettungsanker erweisen. Bertelsmann hält 50 Prozent an AOL Europe und will sich angeblich teilweise oder ganz von seinem Paket trennen.

Zieht Mannesmann-Chef Klaus Esser in den nächsten Tagen den Joker AOL, würde das Übernahmeangebot von Vodafone erheblich unattraktiver. Für Telekom-Analysten und Branchenexperten hat die Allianz viel Charme. "Für Mannesmann wäre der Deal eine riesige Verstärkung", urteilt Hermann Reith von der BHF-Bank in Frankfurt. Eine solche Allianz verdeutliche zudem, wer im europäischen Internetgeschäft künftig die Nase vorn habe - nämlich Mannesmann. Außerdem bekämen die Düsseldorfer mit AOL Europe über deren Muttergesellschaft Zugang zum US-Markt.

Bisher war es Strategie von Mannesmann, sich auf den europäischen Markt zu konzentrieren. Doch zuletzt hatte Mannesmann-Chef Esser baldige Engagements in den USA nicht mehr ausschließen wollen. Vor allem bei US-Investoren, so glaubt Analyst Hallmann, sei die europäische Strategie auf Unverständnis gestoßen. "Das Zukunft ist global, da kann man sich nicht auf Nischen zurückziehen", sagt Hallmann.

Für Frank Wellendorf, Telekom-Analyst der WestLB Panmure, macht ein Bündnis von Mannesmann/AOL Europe "grundsätzlich Sinn für alle Beteiligten". Er erwartet aber nicht, dass das Geschäft vor Ablauf der Umtauschfrist am 7. Februar festgezurrt wird. Der deutsche Übernahmekodex schreibt (allerdings unverbindlich) vor, dass ein Unternehmen, für das ein Kaufangebot laufe, keine Maßnahmen treffen darf, die die Offerte unattraktiver macht. Aber schon die vage Ankündigung reiche aus, um Investoren und Aktionäre zu beeindrucken.

Vodafone gibt sich gelassen spricht von Spekulationen und verweist auf Gerüchte über eine angebliche Kooperation zwischen Mannesmann und Vivendi. Auch daraus habe sich bisher nichts Konkretes ergeben. "Wenn die Fusion mit Mannesmann über die Bühne ist, werden wir gemeinsam unsere Internetpläne durchsetzen und für die Kunden weltweit eine einheitliche Plattform bauen", heißt es.

Hinter T-Online ist AOL Europe mit 3,5 Millionen Teilnehmern der zweitgrößte Online-Dienst Europas. Die Telekom-Tochter ist hauptsächlich in Deutschland aktiv, das Joint Venture von Bertelsmann und AOL dagegen auf dem gesamten Kontinent. Zugleich bekäme Mannesmann mit AOL Zugang zu Medieninhalten (Time Warner) und AOL zu Netzen. Dass sich Bertelsmann bei AOL auf dem Rückzug befindet, ist spätestens seit der Übernahme von Time Warner durch AOL klar. Gleichzeitig bekräftigte Bertelsmann aber immer wieder, an der Kooperation mit AOL in Europa festhalten zu wollen. Doch dazu müssen nicht unbedingt Anteile gehalten werden.

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