Stellenabbau : Telekom trennt sich von 2000 Mitarbeitern

Nokia Siemens übernimmt eine Tochterfirma des Bonner Konzerns - und sichert sich langfristige Aufträge. Was der Konzern verkauft und wo er investiert.

Corinna Visser
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Telekom-Techniker im Einsatz. 2000 Mitarbeiter, die Netze instand gehalten und gewartet haben, sollen künftig bei Nokia Siemens...Foto: dpa

Berlin - Die Deutsche Telekom treibt ihren Stellenabbau im Konzern voran. Sie gibt das Tochterunternehmen Vivento Technical Services (VTS) mit 2000 Mitarbeitern an das Netzwerkunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) ab. Mit den gleichzeitig vereinbarten Serviceverträgen und Investitionszusagen will die Telekom nach eigenen Angaben die langfristige Beschäftigung ihrer ehemaligen Mitarbeiter sichern. Dennoch stößt der Verkauf bei der Gewerkschaft Verdi auf heftige Kritik, denn NSN, ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia, hat bereits vor Monaten angekündigt weltweit 9000 Arbeitsplätze abzubauen, allein 2290 davon in Deutschland. „Das ist keine seriöse Geschäftspolitik“, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder dem Tagesspiegel. „Es ist nicht zu glauben, dass Nokia Siemens Networks den Beschäftigten der Telekom eine sichere Zukunft bieten kann.“ Schröder, der auch im Aufsichtsrat der Telekom sitzt, zeigte sich über die Ankündigung sehr verärgert. „Das ist ein Skandal, was die Telekom da macht.“

Telekom-Chef René Obermann hatte zuletzt bei der Vorlage der Halbjahreszahlen bekräftigt, dass der Konzern eine Reihe von Geschäften trennen will. Die konzerneigene Beschäftigungsgesellschaft Vivento gibt es bereits seit 2003. In sie hinein wurden Mitarbeiter versetzt, für die es nach Meinung der Konzernleitung im Unternehmen keine Beschäftigung mehr gab. Aus dem Bereich Vivento wurden bereits einige Call-Center-Firmen verkauft. Nun trifft es technische Mitarbeiter, die mit dem Betrieb und der Wartung von Netzen beschäftigt sind. Seit ihrer Privatisierung im Jahr 1995 hat die Deutsche Telekom im Schnitt jedes Jahr rund 10 000 Arbeitsplätze abgebaut. Ein laufendes Programm sieht den Abbau weiterer 32 000 Arbeitsplätze bis Ende 2008 vor. Dass das wegen des scharfen Wettbewerbs und auch des technischen Fortschritts noch nicht das Ende ist, sagt Konzernchef Obermann offen. Dass noch einmal rund 35 000 Jobs bei der Telekom in Gefahr sind, will er aber nicht bestätigen.

Welcher Kaufpreis für VTS vereinbart wurde, darüber macht die Telekom keine Angaben. Gleichzeitig mit der Übergabe hat die Telekom mit NSN einen Fünf-Jahresvertrag für Serviceleistungen im Volumen von 300 Millionen Euro abgeschlossen. Nokia Siemens Networks werde zudem der bevorzugte Partner der Deutschen Telekom für Serviceleistungen. Zusätzlich kauft die Telekom Ausrüstung und Services für ihre neuen Netze im Wert von bis zu 150 Millionen Euro.

Für Nokia Siemens Networks sind Restrukturierungsmaßnahmen und Stellenabbau einerseits und die Übernahme einer neuen Firma mit 2000 Leuten andererseits kein Widerspruch. „Für die Übernahme gibt es ein ganz klares Geschäftmodell“, sagte ein NSN-Sprecher. „Wir können als Unternehmen nicht still stehen und uns nur darauf beschränken, Arbeitsplätze abzubauen“, sagte er. NSN sei dabei, sich von einem reinen Gerätehersteller zu einem Service- und Dienstleistungsunternehmen zu entwickeln. In diese Strategie passe der Zukauf.

Ein Insider des Unternehmens sagte dem Tagesspiegel, dass es für NSN und auch den Standort Deutschland sehr wichtig sei, dass es dem Unternehmen nun gelungen sei, langfristig mit der Telekom im Geschäft zu bleiben. In der Quartalsbilanz von Nokia war NSN das einzige Sorgenkind. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens verbuchte einen operativen Verlust von 120 Millionen Euro.

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