Wirtschaft : Steuerfalle Internet

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Keine Diskussion über die Besteuerung des Internethandels kommt ohne die Forderung aus, dass gleiche Bedingungen für alle herrschen müssen. Die jüngste Entscheidung der USHandelsketten Wal-Mart, Target und Toys ,R’ Us, künftig die Umsatzsteuer auch bei Online-Bestellungen zu erheben, wird von Steuerbefürwortern als Schritt zur Gleichbehandlung bejubelt. Doch genau betrachtet ist es alles Andere als das. In den USA müssen Einzelhändler in allen Bundesstaaten, in denen sie Geschäfte betreiben, die dort üblichen Umsatzsteuern erheben. Die drei genannten Handelskonzerne sind landesweit vertreten, sie tun jetzt also nur, was seit langem gefordert wurde. Ihre Entscheidung ist eigennützig, zumal sie zur Bedingung machten, von den Bundesstaaten nicht wegen der jahrelangen Nichterhebung der Steuer belangt zu werden.

Man schafft aber keine gleichen Wettbewerbsbedingungen, wenn man zum Beispiel auch den Computerhersteller Dell zwänge, die Umsatzsteuer statt am Firmensitz an jedem Ort zu erheben, an den er seine Produkte liefert. Denn Dell als reiner Internet-Händler müsste dann die verschiedensten Steuergesetze von zusammen 7600 Staaten, Bezirken und Städten anwenden.

Bislang darf laut Bundesgesetz kein US-Staat einen Händler in einem anderen Staat dazu zwingen, für ihn Steuern einzunehmen. Die Belastungen für die Unternehmen wären zu hoch. Doch die nach Steuereinnahmen dürstenden Gouverneure der Bundesstaaten wollen dieses Gesetz ändern. Dabei schielen sie nicht nur auf die Umsatzsteuern der Internet-Händler. Online-Händler und Versandhäuser befürchten, dass die Gouverneure nach einer Gesetzesänderung von Ihnen bald auch andere Abgaben auf geschäftliche Aktivitäten – wie die Körperschaftsteuer – fordern könnten, und zwar in jedem Staat, in dem ein Online-Händler Kunden hat.

Großunternehmen wie Dell könnten derartige Herausforderungen wohl noch meistern, aber für den Großteil der kleineren Internet-Händler wären die Hürden zu hoch. Sie würden aus dem Markt „herausbesteuert“, und noch mehr Unternehmer würden den Markteintritt wegen der hohen Steuerkosten erst gar nicht wagen. Weniger Wahlmöglichkeiten bedeuten aber höhere Preise.

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