Stiftung Warentest : Teure Matratzen sind nicht besser

Irreführende Werbeangebote der Hersteller sollen die Kunden zum Kauf bewegen. Doch teure Modelle halten meist nicht, was sie versprechen.

Janina Schreiber
Die Matratze entscheidet auch über einen erholsamen Schlaf. Kein Wunder, dass der Matratzenkauf zur Wissenschaft werden kann.
Die Matratze entscheidet auch über einen erholsamen Schlaf. Kein Wunder, dass der Matratzenkauf zur Wissenschaft werden kann.Foto: imago/Westend61

Mit einer „einzigartigen Aerial–Technologie“ wirbt Dunlopillo. Breckle verspricht „höchste Atmungsaktivität“. Und Schlaraffia will Kunden mit einem „Sleep Triangle Prinzip“ für sich gewinnen. Was auch immer die Matratzenhersteller ihren Kunden in der Werbung versprechen: Entscheidend für einen gesunden Schlaf sei vor allem eine typgerechte Unterlage, sagt Holger Brackemann von der Stiftung Warentest. Für Menschen mit breiten Schultern und stärkeren Hüften seien vor allem feste und dickere Matratzen zu empfehlen. Auf weicheren hingegen könnten auch schmaler gebaute Kunden schlafen. „Eine gute Matratze sollte so stützen, dass die Wirbelsäule in Rückenlage ihre natürliche Doppel-S-Form behält und in der Seitenlage eine gerade Linie bildet“, sagt Brackemann.

14 Matratzen aus dem Hochpreissegment lediglich „gut“ bis „ausreichend“

Beim aktuellen Test von rund 14 Kaltschaummatratzen prüften er und sein Team in den vergangenen Monaten vor allem das höherpreisige Segment. Dabei habe die Stiftung Warentest konkret einer Frage nachgehen wollen: Muss eine gute Matratze viel Geld kosten? Die Testergebnisse sind eindeutig. Ist die Matratze teuer, ist das in den wenigsten Fällen ein sicheres Merkmal für gute Qualität. Alle getesteten Produkte, die zwischen 600 und 1660 Euro lagen, schnitten lediglich mit den Noten „gut“ (2,5) bis „ausreichend“ (3,8) ab. Qualitativ bewegten sich die teuren Matratzen damit lediglich im Mittelmaß und zeigten keine besseren Ergebnisse als Produkte, die nur die Hälfte kosteten.

„Bodyguard H3“ ist Sieger aus früheren Tests

Für eine entsprechende Kaufempfehlung beruft sich die Stiftung Warentest deshalb lieber auf die Ergebnisse früherer Untersuchungen. Nochmals im anonymen Test nachgeprüft, gehe das Modell „Bodyguard H3“ des Online-Händlers Bett1.de als Sieger hervor. Die Schaumstoffmatratze sei mit ihrem Preis von 199 Euro immer noch relativ günstig, sagt Brackemann. Für Bett1.de dürfte das Testurteil erfreulich sein. Derzeit gebe es aufgrund der hohen Nachfrage des Modells Verzögerungen von acht bis zehn Wochen bei der Lieferung, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite informiert. Bei den Federkernmatratzen landete die Novitesse Taschenfederkernmatratze von Aldi Nord für 139 Euro auf Platz eins. Die Meradiso Lidl-Matratze für 99 Euro schafft es auf Platz vier. Ein Auswechseln der Matratze nach den von den Herstellern empfohlenen zehn Jahren sei nach Angaben der Stiftung Warentest auch bei einer qualitativ hochwertigen Matratze empfehlenswert.

Rund 180 Liter Schweiß sondert der Verbraucher pro Jahr in seine Matratze ab

Neben den Preis-Leistungs-Unterschieden in der Branche bemängelt die Stiftung Warentest auch die falschen Versprechungen der Hersteller. Diese suggerierten, moderne Matratzen seien ein Stück deutscher Ingenieurskunst, sagt Brackemann. Ausgestattet mit „Kernmanteltechnologie“ oder „3-Wege-Katalysatoren“ liege die Vermutung nah, die Branche wolle die Matratze neu erfinden. Die Stiftung Warentest habe auch in diesem Bereich Nachforschungen angestellt. Dabei habe sich herausgestellt, dass vor allem schlecht informierte Kunden meist vierstellige Beträge für mittelmäßige Qualität zahlen. D

ie rund 180 Liter Schweiß und das knappe halbe Kilo Hautschuppen, die er pro Jahr in seine Matratze absondert, lasse sich der Verbraucher eben etwas kosten, weiß Anita Stocker von der Stiftung Warentest. „Wir schwitzen im Schlaf, was nicht unbemerkt bleibt – die Unterlage beginnt im Laufe der Zeit zu leben“, sagt sie. Nicht verwunderlich sei deshalb, dass Kunden für die angeblich neuen Technologien der Hersteller zugänglich sind. Doch die „neuartigen Errungenschaften der Branche“ halten im Test nicht was sie versprechen. Die 1390 Euro teure Gelmatratz Technogel Piacere etwa, sorgt durch die angepriesene „thermische Leitfähigkeit“ weder für Wärme, noch für die versprochene Regulation der Feuchtigkeit.

Eine Breckle „TopGel“ Matratze, enthielt statt dem suggerierten Gel lediglich Kaltschaum. Vor allem bei dem Einfluss von Feuchtigkeit und Temperatur schnitten alle 14 Matratzen mit „befriedigend“ oder „ausreichend“ ab. Die Firma Breckle reagierte prompt auf das Testergebnis. Per richterlichem Antrag wollte das Unternehmen die Aussagen der Stiftung Warentest verbieten lassen. Weil die Erfolgsaussicht allerdings gering war, zog Breckle den Antrag auf Anraten des Gerichts zurück.

Härteangaben der Hersteller stimmen nicht mit den getesteten Werten überein

Das Beispiel des Unternehmens unterstreicht, wie hart umkämpft der Matratzenmarkt hierzulande ist. Nicht grundlos bezeichnet die Stiftung Warentest die Hersteller als „Schaumschläger“. Noch viel alarmierender allerdings seien die Unterschiede zwischen den Angaben auf den Matratzen und den tatsächlichen Testergebnissen, sagt Brackemann. Meist werde die Matratze härter ausgezeichnet als sie eigentlich ist. Im aktuellen Test stimmte kein getesteter Härtegrad mit den Angaben auf der Packung überein. Schuld daran sei ein fehlendes einheitliches Deklarationssystem der Branche, erklärt der Tester.

Außerdem sei die Herstellung oft mit ein Grund für diese irreführende Beschreibung auf der Matratzenpackung. In der Fabrik werde der Schaumstoff meist in großen Blöcken aufgeschäumt. Dabei sei es unvermeidlich, dass sich verschiedene Dichten und Härten in der Masse bilden. Korrekterweise müsse der Hersteller aber prüfen, welche Härte der Schaumstoff aufweist, bevor ein solches als Matratze verarbeitetes Stück Schaumstoff auf den Markt kommt, sagt Brackemann. „Das ist aber so gut wie nie der Fall“, betont er. Einen Härtegrad zu testen koste nicht nur Zeit sondern auch Geld.

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