Wirtschaft : Stimmung ist so schlecht wie zuletzt im Mai 2003 Wirtschaft stellt sich auf Rezession ein

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München - Die an den Börsen herrschende Panik greift auf die Chefetagen der deutschen Wirtschaft über. Das signalisiert der rapide Verfall des Ifo-Geschäfsklimaindex im Oktober von 92,9 auf 90,2 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Mai 2003. Sogar „Psychotische Dimensionen“ attestierte Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb der Teilkomponente der Erwartungen der befragten Manager für die kommenden sechs Monate. Dieser Teilindex sei binnen Monatsfrist wie nie zuvor von 86,5 auf 81,4 Punkte eingebrochen. „Das ist der niedrigste Wert seit 1990, als wir angefangen haben, den Klimaindex für Gesamtdeutschland zu berechnen“, sagte Nerb.

Rational nachvollziehbar sei dieser Pessimismus im Ausmaß nicht mehr. Denn die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sei mit 99,9 Punkten sogar leicht besser als im Vormonat ausgefallen und signalisiere aktuell eine noch gute bis befriedigende Situation. Die in die Zukunft gerichtete Stimmung in der deutschen Wirtschaft sei dagegen ein Spiegelbild des ebenfalls „erheblich überschießenden Verfalls“ an den Börsen, sagte Nerb.

Gleichwohl schlägt sich der Pessimismus realwirtschaftlich nieder. So planen die heimischen Firmen laut Ifo-Index nicht mehr mit neuem Personal. Die stark exportabhängige deutsche Industrie befürchte künftig schlechtere Geschäfte im Ausland. Alle Wirtschaftsbereiche vom verarbeitenden Gewerbe über den Bau bis zu Handel und Dienstleistungen hätten ihre stimmungsmäßig seit fünf Monaten anhaltende Talfahrt im Oktober nochmals deutlich verschärft. An sich positive Nachrichten – wie etwa der niedrigere Ölpreis – würden nicht mehr ins Bewusstsein der Manager dringen, sagte Nerb.

7000 Manager befragt das Münchner Ifo-Institut für seinen Geschäftsklimaindex jeden Monat. Er gilt als der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. tmh

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