Wirtschaft : Streit um den wahren Wert von T-Online

Aktionärsvertreter nennen die Telekom-Offerte für das Internetpapier zu billig. Analysten sehen das anders

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Berlin Die Ankündigung der Deutschen Telekom, ihre Internettochter T-Online von der Börse zu nehmen und wieder in den Konzern zu integrieren, ist von Aktionärsschützern erneut heftig kritisiert worden. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf dem Konzern vor, damit der Aktienkultur in Deutschland zu schaden. „Viele Kleinanleger haben den Eindruck, dass sie bei 8,99 Euro enteignet werden“, sagte SdK- Vorstandsmitglied Markus Straub. Der Plan, T-Online-Aktionären einen Aktientausch in Telekom-Papiere oder 8,99 Euro je T-Online-Aktie in bar anzubieten, laufe in den Augen der treuen Kleinanleger auf einen Zwangsverkauf hinaus.

Die Börse reagierte jedoch positiv: Die T-Online-Aktie legte bis Montagnachmittag um 1,5 Prozent auf 9,12 Euro zu. Im Jahr 2000 hatte die Telekom T-Online zu einem Preis von 27 Euro an die Börse gebracht. Nach einer Aufsichtsratssitzung am Sonnabend teilte die Telekom nun mit, T-Online wieder mit dem Konzern zu verschmelzen. Die Telekom verspricht sich davon, so für den Wachstumsmarkt mit schnellen Internetanschlüssen besser aufgestellt zu sein. Anleger von T-Online sollen für ihre Aktie Telekom-Papiere im Tausch erhalten. Der Verschmelzung muss die Hauptversammlung der T-Online zwar noch zustimmen. Die Zustimmung steht jedoch außer Frage, da die Telekom selbst 73,9 Prozent der T-Online-Anteile hält. Alternativ hat die Telekom den T-Online-Aktionären ein Barangebot gemacht, das Aktionärsvertreter als zu niedrig bewerteten.

Analysten widersprachen dem jedoch. „Wir gehen davon aus, dass das Umtauschverhältnis auf Grundlage der Wertgutachten unter dem der Barofferte liegen wird“, sagen etwa die Analysten von SES Research. Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim bezeichnete den Kursanstieg von T-Online am Montag als nicht nachvollziehbar. Einige Anleger setzten offenbar darauf, dass die Telekom ihre Barofferte noch nachbessere. Das sei jedoch unrealistisch. „Die Aktionärsschützer, die mit einer Verbesserung des Angebots rechnen, haben sich sehr weit vorgewagt“, sagte Rothauge. Auch er rechnet damit, dass das Umtauschverhältnis am Ende schlechter für die T-Online-Aktionäre ausfallen wird.

Tatsächlich muss die Telekom den Aktionären bei einer Verschmelzung kein Kaufangebot machen. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), nannte die Barofferte „Bauernfängerei“. Auf diese Weise wolle die Telekom „nur billig an die Aktien kommen“. Im Gegensatz zu den Analysten geht die DSW davon aus, dass die Aktionäre bei der Verschmelzung ein besseres Umtauschverhältnis erzielen. Das Umtauschverhältnis wird – etwa bis Mitte Januar 2005 – durch Gutachten festgelegt, die T-Online und Telekom von Experten erstellen lassen. Es ist gerichtlich anfechtbar. Die DSW rechnet fest damit, dass es zu einem Spruchstellenverfahren kommen wird. „Die Erfahrung zeigt, dass die Anleger dann mit einem Aufschlag rechnen können“, sagte Kurz. vis/dpa

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