Wirtschaft : Streit um die Bahn-Teststrecke

BERLIN (chi).Die Idee überzeugt: Damit die deutsche Bahnindustrie in Zukunft weniger pannenanfällige Fahrzeuge abliefert, benötigt sie Teststrecken.Weil die Werksgelände dafür in der Regel zu klein sind und die Gleise der Deutschen Bahn immer weniger zur Verfügung stehen, könnte eine Region, die eine solche Teststrecke bietet, sich durchaus als "Kompetenzzentrum für Verkehr" profilieren und weitere Betriebe zur Ansiedlung locken.Als der frühere Siemens-Verkehrstechnik-Vorstand Wolfram O.Martinsen vor rund fünf Jahren mit dieser Idee bei den Politikern in Berlin und Potsdam anklopfte, stieß er auf Interesse.Doch dann verhedderten sich die Beteiligten in endlosen Diskussionen über Standorte, Bedarfsprognosen und Finanzierung.In Nordrhein-Westfalen reagierte die Politik schneller.1997 ging in Wegberg-Wildenrath die Teststrecke der Siemens-Verkehrstechnik in Betrieb, für die das Land 180 Mill.DM öffentliche Fördermittel zugeschossen hatte.

Der Schock zeigte Wirkung.Plötzlich kommt Schwung in das Projekt.Innerhalb kurzer Zeit signalisierten die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg Bereitschaft, Fördermittel für den Bau einer Teststrecke bereitzustellen.Und auch über den Standort gab es keine Debatte mehr.Zwischen Hennigsdorf, Velten und Wansdorf soll nun eine 35 Kilometer lange Strecke entstehen, mit Prüfeinrichtungen, zwei "Testringen" und Anschluß an das Schienennetz der Bahn.Die Raumordnungsverfahren sind eingeleitet, im Frühjahr 2000 könnte mit dem Bau begonnen werden, die Strecke ein Jahr später fertiggestellt sein, berichtet Christian Ehler, der als Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft Gewerbepark Bahntechnik Berlin-Brandenburg (GBT) für das Projekt verantwortlich zeichnet.

Rund 320 Mill.DM soll der Bau kosten.Gut 200 Mill.DM wollen die beiden Landesregierungen - teils aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe (GA), teils durch die Bereitstellung von Flächen - zuschießen, den Rest, etwa 120 Mill.DM, sollen die industriellen Partner Adtranz, Bombardier DWA und LHB beisteuern.Sicher ist das noch nicht: Mit der Industrie wird noch über das Engagement verhandelt, und gegen das Projekt laufen auch Bürgerinitiativen Sturm.Ihr Argument: Die Angaben über tausende Arbeitsplätze, die gesichert werden könnten, seien weit überzogen.

Ehler läßt sich nicht beirren."Nur wer Ingenieurkapazitäten an einen Standort bindet, wird Arbeitsplätze sichern." Der jüngste Stellenabbau bei Adtranz habe schließlich deutlich gemacht, wie schnell Montagekapazitäten verlagert werden können.Adtranz habe eine Alternative: Die Konzerntochter in Polen verfügt über eine Teststrecke - die muß allerdings erst saniert werden.

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