Strom-Sozialtarif : Energieunternehmen kämpfen um soziales Image

Umweltminister Gabriel hat einen Strom-Sozialtarif vorgeschlagen. Das setzt die Energieunternehmen unter Druck. Die Branche kämpft um Geschlossenheit. Wie sozial sind die großen Konzerne bereits?

Amir El-Ghussein

BerlinDas Image von Vattenfall hat im letzten Jahr sichtlich gelitten. Nun versucht das Energieunternehmen, in der Diskussion um die Einführung von Strom-Sozialtarifen zu punkten. Doch konkrete Pläne liegen derzeit nicht auf dem Tisch. Es gibt lediglich ein prinzipielles Interesse sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen und nach Lösungen zu suchen. Laut Vattenfall sollten alle Akteure, also auch Politik, Sozialverbände und Arbeitsagentur, Lösungen ausloten. Hier seien auch die Stadtwerke gefordert Sozialtarife anzubieten, denn es könne nicht sein, dass nur große Energieversorger belastet würden.

Die Politik hält sich abgesehen von der Forderung, die Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am vergangenen Donnerstag formuliert hat, vornehm zurück. Pläne lägen nicht in der Schublade. "Die Energieversorger sind hier in der Pflicht", ist aus dem Ministerium zu vernehmen. Doch was bieten die Unternehmen derzeit an?

Die Positionen der Unternehmen

Bei EnBW blitzte Gabriel mit seinem Vorstoß einen Sozialtarif einzuführen einfach ab: "Wir haben keinen Sozialtarif, und wir planen auch keinen", sagte eine Sprecherin. "Bei Härtefällen suchen wir individuelle Lösungen", sagte die Pressesprecherin. RWE prüft derzeit immerhin die Einführung niedrigerer Strompreise für arme Haushalte und signalisierte Gabriel Gesprächsbereitschaft.

Eon bietet bereits einen Sozialtarif an. Hier entfallen Grundgebühren, was nach eigenen Angaben zu einer jährlichen Ersparnis von 60 bis 125 Euro führt. Zur Bestätigung der Bedürftigkeit ist eine Befreiung von den Rundfunkgebühren nötig. Die Abwicklung erfolgt häufig über Wohlfahrtsverbände. Allein in Bayern sind es bereits 6000 Kunden, die diesen Sozialtarif wahrnehmen.

Vattenfall hat derzeit keinen Sozialtarif, aber gibt sich gesprächsbereit. Derzeit sei die Abschaltung des Stroms das letzte Mittel, sagte Sprecher Olaf Weidner. Zuvor kann man verhandeln, wenn es Zahlungsengpässe gibt. Es ist oft möglich, eine Ratenzahlung oder eine Stundung zu vereinbaren. "Allerdings ist es wichtig, das Unternehmen schon frühzeitig zu informieren, am besten, noch bevor das Mahnverfahren greift", mahnt Weidner.

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