Wirtschaft : Stromkrise in USA: Kalifornien erlässt Notgesetz

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Nachdem der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien seit mehreren Wochen von einer Stromkrise bedroht ist, hat das kalifornische Parlament mit Billigung von Gouverneur Gray Davis gesetzliche Notmaßnahmen beschlossen. Danach kann Kalifornien nun langfristige Verträge mit Stromproduzenten abschließen, um die in der Vergangenheit stark gestiegenen Großhandelspreise zu stabilisieren. Zudem wird der Bundesstaat Anleihen im Wert von zehn Milliarden Dollar ausgeben, um mit diesem Geld Strom auf dem freien Markt zu erwerben. Mehrere Versorger in Kalifornien stehen als Folge einer halbherzigen Marktregulierung vor der Pleite und können sich den Kauf von Strom auf dem freien Markt nicht mehr leisten.

Die Deregulierung und der damit entstehende Wettbewerb auf dem Markt sollte den Verbrauchern eigentlich niedrigere Preise bringen. Doch etwas ging schief. Die Elektrizitätsversorger müssen den Strom im Großhandel zwar zu freien Marktpreisen beziehen, dürfen die Preise aber nicht an die Verbraucher weitergeben. Ursprünglich von fallenden Marktpreisen ausgegangen, hatten die Firmen allerdings selbst darauf gedrängt, die erwartet niedrigen Preise nicht an die Verbraucher weitergeben zu müssen.

Aber es kam anders. Die Großhandelspreise waren als Folge des jahrelang versäumten Baus von neuen Kraftwerken dramatisch gestiegen. Im vergangenen Jahr erhöhte zudem der heiße Sommer die Nachfrage nach Strom. Die Versorger haben nach eigenen Angaben daher 12,7 Milliarden Dollar verloren und verfügen nur noch über 1,2 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln.

Die Stromversorgung in Kalifornien stand kurz vor dem Kollaps. Zeitweilig wurde bereits der Strom abgestellt. Die Auswirkungen des neuen Gesetzes auf die Kosten für die Verbraucher sind noch nicht absehbar, da die Behörden noch mit den Stromproduzenten verhandeln. Im Januar waren die Strompreise für Endverbraucher zunächst für drei Monate erhöht worden. Der Gouverneur und sein Verhandlungsteam wollen die Strompreise langfristig auf 5,5 bis sieben Cents pro Kilowattstunde drücken. Derzeit kostet die Kilowattstunde 35 bis 40 Cents.

Die Probleme in Kalifornien werden von Volkswirten sehr ernst genommen: Eine Schwächung der dortigen Wirtschaft würde die gesamte US-Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen. Kalifornien ist Zentrum der US-Technologiebranche, die größte Volkswirtschaft in den USA und die siebtgrößte der Welt.

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