Strompreiserhöhung : Vattenfall-Kunden zahlen für das Klima

Die Ökoenergie ist schuld. Jedenfalls begründet Vattenfall die Strompreiserhöhung für 1,6 Millionen Berliner Kunden mit den Kosten der Windkraft und Solarenergie.

Alfons Frese

Berlin - Seit 2007 sei der Aufwand für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) um fünf bis sechs Prozent gestiegen, erläuterte der Berliner Vattenfall-Bevollmächtigte, Werner Süss, am Mittwoch. Und deshalb also erhöhe der Konzern die Preise um 5,9 Prozent. „Wir geben die Kosten des Klimaschutzes weiter“, sagte Süss und verteidigte den Schritt mit einem Verweis auf die Konkurrenz, „kein anderer großer Versorger hat so lange die Preise nicht erhöht“.

Tatsächlich hatte der in Berlin ansässige Versorger, der zum schwedischen Staatskonzern Vattenfall AB gehört, für 2008 und 2009 jeweils eine Preisgarantie gegeben. Damit versuchte das Unternehmen das Desaster der Preiserhöhung vom Sommer 2007 vergessen zu machen. Damals trieb nicht allein der höhere Preis die Kunden zur Konkurrenz, sondern auch eine unglückliche Kopplung des Strombezugs mit Versicherungsleistungen. Hinzu kam in jenem Sommer das erste Pannendesaster in den von Vattenfall betriebenen Akw Krümmel und Brunsbüttel. Alles in allem verlor Vattenfall in Berlin und Hamburg 2007 rund 250 000 Kunden. Als es in diesem Jahr erneut eine Panne in Krümmel gab, vertrieb das rund 5000 Vattenfall-Kunden zur Konkurrenz, wie Süss am Mittwoch sagte. Doch trotzdem habe Vattenfall in Hamburg und Berlin dazugewonnen und werde seinen Marktanteil in diesem Jahr leicht steigern. In Berlin machen 1,6 Millionen Vattenfall-Kunden einen Marktanteil von 78 Prozent aus.

Einer der wichtigsten Wettbewerber in Berlin ist Nuon („lekker Strom“). Derzeit sei „eine Erhöhung für Kunden von Nuon kein Thema“, hieß es am Mittwoch. Das könnte sich ändern. Nach Erkenntnissen des Verbraucherportals TopTarif erhöhen mindestens 46 Versorger am 1. Januar die Preise. Zwar seien im vergangenen Jahr die Beschaffungskosten der Stromlieferanten „erheblich zurückgegangen“. Doch 2010 würden sich die Kosten der EEG-Umlage auf rund zwei Cent je Kilowattstunden verdoppeln, schreibt Toptarif. Zudem seien die Netzentgelte gestiegen, sodass alles in allem Preiserhöhungen plausibel seien.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn sieht das anders. Da der ganz überwiegende Teil der rund 800 in Deutschland tätigen Stromversorger die Preise unverändert lasse, habe der Preisschritt von Vattenfall wohl andere Gründe als die Kosten des EEG. Ähnlich argumentiert Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. Ihm zufolge haben die Ökoenergien sogar einen „kostensenkenden Effekt an der Strombörse“. Der Preis an der Leipziger Börse wird im Prinzip von den Kosten des teuersten Kraftwerks bestimmt. Wenn indes viel erneuerbare Energie ins Netz fließt, dann braucht man weniger Kraftwerke. Und die Kraftwerksbetreiber werden als erste die alten und wenig effizienten Anlagen vom Netz nehmen.

Nach Erhebungen der Verbraucherportale Toptarif und Verivox liegen die Strompreiserhöhungen zum 1. Januar im Schnitt bei knapp fünf Prozent. Vattenfall-Manager Süss rechtfertigte den relativ großen Preissprung von 6,9 Prozent in Berlin mit Verweisen auf die Konkurrenz, die in diesem Jahr bereits vorgeprescht sei. Tatsächlich haben die Versorger Eon, RWE und EnBW bereits zu Beginn und Mitte des Jahres die Preise erhöht. Mit Blick auf größerer Städte habe es nur in Dresden über so einen langen Zeitraum stabile Preise gegeben wie in Berlin und Hamburg, sagte Süss. Dabei sei der Strom in Dresden auch nach der Erhöhung zum 1. Januar 2010 noch immer etwas teurer als in Berlin.

Nach Angaben des Vattenfall-Bevollmächtigten gibt es überhaupt kaum eine Stadt mit so günstigem Strom. In Berlin zahle ein Haushalt mit einem Verbrauch von 2200 Kilowattstunden pro Jahr vom Januar an 516 Euro. Günstiger ist Strom nur in Bochum (514 Euro), Hamburg (513) und Bielefeld (498). Am teuersten sind Leipzig (628 Euro), Stuttgart (585) und Mannheim (573). Alfons Frese

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