Wirtschaft : Studie: Ostdeutsche werden ärmer Keine Angleichung an Westniveau möglich

Anselm Waldermann

Berlin - Nach Jahren der Annäherung wird sich die Einkommensschere zwischen Ost- und Westdeutschland wieder auseinander bewegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Bank Research, die ihr internationaler Chefökonom Stefan Schneider am Mittwoch in Berlin vorstellte. Demnach ist der höchste Grad der Einkommensangleichung bereits in diesem Jahr erreicht. Derzeit liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Ostdeutschland bei 64,5 Prozent des Westniveaus. In den kommenden Jahren werde sich die Relation jedoch wieder verschlechtern und im Jahr 2025 unter 60 Prozent rutschen, erklärte Schneider. „Die Idee der Angleichung der Lebensverhältnisse wird eine Illusion bleiben.“

Als Grund für die düstere Prognose nannte Schneider den Bevölkerungsrückgang. „Der demografische Wandel trifft Ostdeutschland mit härterer Wucht als den Westen“, sagte er. So werde sich das Erwerbspersonenpotenzial in den kommenden 50 Jahren nahezu halbieren – unter anderem wegen der anhaltenden Abwanderung in den Westen. Der Anteil der alten und weniger qualifizierten Menschen hingegen nehme überproportional zu. „Der Faktor Arbeit wird das Wachstum bremsen“, sagte Schneider. Selbst unter der optimistischen Annahme, dass sich Kapitalstock und Produktivität so gut entwickeln wie im Westen, werde das Wirtschaftswachstum in Zukunft daher kaum über null liegen.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Arnold Vaatz (CDU) kritisierte unterdessen, dass in Ostdeutschland ein „kollektiver Realitätsverlust“ herrsche, der der Politik die Hände binde. So habe die „Erwartungshaltung der Bevölkerung“zur schlechten Finanzsituation der ostdeutschen Länder mit beigetragen. „In Ostdeutschland herrschen Ansprüche an den Staat nach westdeutschem Niveau, obwohl die eigene Leistungsfähigkeit darunter liegt“, sagte Vaatz, der selbst aus Dresden stammt. Er appellierte an jeden einzelnen Ostdeutschen, er möge „sich mit seinem polnischen Kollegen vergleichen und glücklich sein und nicht immer nur in den Westen schauen“.

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