Wirtschaft : Styropor mit Turbine

Modellflugzeugbauer fiebern der ILA entgegen

Maren Peters

Sein jüngstes Flugzeugmodell hat Peter Michel zu einem Superstar gemacht. Das Modell ist zehn Meter lang, 4,60 Meter breit und 60 Kilogramm schwer. Wenn Michel das Miniaturflugzeug hoch in den Lüften posieren lässt, wenn er es mit der Fernsteuerung Loopings machen lässt, dann ist ihm die Bewunderung seiner kleinen, exklusiven Welt der Modellflugzeugbauer sicher. Denn das Modell, das Peter Michel die „Krönung seiner Modelllaufbahn“ nennt, haben selbst die Freaks noch nicht gesehen. Die Boeing 747, im Maßstab 1:14 dem Original nachgebaut, ist das weltweit größte Mini-Düsenflugzeug.

Vor 30 Jahren ist der gelernte KFZ-Mechaniker Michel in den Bann der Flieger geraten, seitdem lassen sie ihn nicht mehr los. Weil das Selberfliegen zu teuer war, fing er an, normale, kleine Modellbausätze zusammenzusetzen und vom Boden aus abheben zu lassen. Inzwischen ist er ein Profi, der die großen Originale aus Kunststoff, Styropor und Balsaholz nachbaut. Die Pläne dafür findet er im Internet. Ein Hobby, das er mit einigen Tausend flugbegeisterten Menschen in Deutschland teilt. Regelmäßig treffen sie sich auf den Flughäfen Europas, um ihre Mini-Boeings, Starfighter und Baby-Concordes vorzuführen. Auf Luftfahrtschauen wie der ILA nehmen sie die neuesten Originale in Augenschein.

Für seine Boeing 747 brauchte Michel die Rekordzeit von fast 2000 Arbeitsstunden, und die Rekordsumme von rund 30 000 Euro – nur für das Material. „Ich versuche, das Vorbild so genau wie möglich zu treffen“, sagt der 61-jährige Rentner. Zumindest äußerlich. Denn anders als die Originale werden die Modelle in der Regel von Turbinen getrieben. Seitdem diese Turbinen vor wenigen Jahren die bis dahin üblichen Zwei- und Viertaktmotoren im Bauch der Modellflieger ablösten, ist Modellflug noch teurer geworden. Eine einzige Turbine, die bis zu 40 Stundenkilometer schnell sein kann, kostet rund 2500 Euro, Michels Boeing 747 braucht vier davon, um abzuheben. Und eine Zulassung vom Luftfahrtbundesamt.

Einer, der diese Turbinen baut, ist Peter Mayer. Der Österreicher, der heute in Oldenburg bei Bremen lebt, hat als Gärtnermeister im Betrieb des Vaters angefangen. Inzwischen ist der 41-Jährige hauptberuflicher Modellbauer. Mit seiner Firma Jetwelt baut er Mini-Flieger, „die vorher noch nie jemand gebaut hat“. Seine Großmodelle, die bis zu 25 Kilogramm schwer sind, kosten je nach Ausstattung „zwischen 5000 und 15 000 Euro“, er liefert sie inzwischen an Kunden in der ganzen Welt. Ein neues Objekt hat der Tüftler schon im Visier: eine Yack 130. Das Trainingsflugzeug aus italienisch-russischer Produktion wird nächste Woche auf der ILA vorgestellt. „Ich bin total fasziniert“, sagt Mayer. Jetzt hofft er nur, dass noch kein anderer auf die Idee gekommen ist, das Flugzeug nachzubauen.

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