Wirtschaft : Südafrika: Noch im August droht ein Generalstreik

wdr

Die südafrikanische Tochter des Daimler-Chrysler-Konzerns erwägt bei einem Andauern des aktuellen Streiks der Automobilarbeiter eine teilweise Produktionsverlagerung. Betroffen wäre die Produktion der Rechtslenker-Modelle der C-Klasse, die bisher im südafrikanischen Werk East-London hergestellt wurden. Als Alternativ-Standort käme Bremen oder Stuttgart in Frage.

Sieben Jahre nach dem Ende der Apartheid wird der Arbeitsfriede am Kap derzeit auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Immer lauter fordern die mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündeten Gewerkschaften nun eine ihnen vermeintlich zustehende "Demokratiedividende". Arbeitergeber in fast allen großen Industriezweigen - von der Metallbranche über den Energiesektor bis zum Bergbau - berichten von einer weit stärkeren Unnachgiebigkeit der Gewerkschaften als in den letzten Jahren. Dazu kommt, dass der Gewerkschaftsdachverband Cosatu sich gerade jetzt mit vehement gegen die Privatisierungspläne der Regierung in der Telekommunikationsindustrie und der Luftfahrt stemmt und die Spannungen zwischen den Allianzpartnern naturgemäß auch auf die Tarifverhandlungen durchschlagen. Cosatu wird in dieser Woche mit einer Reihe von Protestaktionen beginnen, die Ende August in einem zweitägigen Generalstreik gegen die Wirtschaftspläne der Regierung kulminieren sollen. Besonders hart betroffen ist von den jüngsten Streikaktionen die vor allem von deutschen Firmen dominierte Automobilbranche. Seit über einer Woche befinden sich hier 21 000 Mitglieder der Metallarbeitergewerkschaft Numsa in einem unbefristetenAusstand, der den Sektor bereits jetzt mehr als 50 Millionen Mark gekostet hat. Während die Metallarbeiter-Gewerkschaft für ihre Mitglieder eine Gehaltserhöhung von 12 Prozent fordert, haben die Arbeitgeber acht Prozent und eine Mindestlohn von 3365 Rand (1020 Mark) offeriert. Vom Austand betroffen sind BMW, DaimlerChrysler, Ford und zum Teil auch Delta (Opel) und Volkswagen. Die Gewerkschaften haben zu Wochenbeginn damit gedroht, mehr als 150 000 Arbeiter in der Zulieferer- und Reifenindustrie zu einem Sympathiestreik aufzurufen wenn sich die Arbeitgeber in dieser Woche bei den Tarifgespächen nicht maßgeblich bewegen würden. Der Südafrika-Chef von Daimler-Chrysler, Christoph Koepke, warnte deshalb vor gravierenden Folgen für den Exportauftrag seines Unternehmens und wies darauf hin, dass Südafrika seinen Kostenvorteil nicht leichtfertig gefährden dürfe.

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