Wirtschaft : Südwind hat die Flaute überwunden

Berliner Hersteller von Windkraftanlagen will 1998 wieder schwarze Zahlen schreiben
DRESDEN (ms).Mit einer neuen Generation von Windkraftanlagen will die Südwind Energiesysteme GmbH, Berlin, in diesem Jahr einen Umsatz von 160 Mill.DM ansteuern.Wie Geschäftsführer Joachim Twelle am Dienstag bei der Inbetriebnahme des ersten Windkraftwerkes dieser Bauart im ostsächischen Langenwolmsdorf erklärte, werde dieser wahlweise mit einer Leistung von 600 oder 750 Kilowatt ausgestattete Typ künftig mehr als 90 Prozent aller im Unternehmen gefertigten Anlagen für den Inlandsmarkt ausmachen.Noch in diesem Jahr will das Unternehmen etwa 40 weitere Windkrafträder dieser Bauart in Deutschland aufstellen, dazu soll weltweit exportiert oder die Lizenz zum Bau kleinerer Anlagen vergeben werden. Wie Twelle weiter erklärte, könne sein Unternehmen nach dem Neustart im Sommer 1996 jetzt trotz der Diskussion um die Höhe der Einspeisungsvergütung für Windstrom wieder zuversichtlich sein, da nunmehr auch für den deutschen Markt ein voll konkurrenzfähiges Produkt in Serie gehen könne.Dazu soll neben dem Standort in Berlin mit knapp 30 Beschäftigten eine weitere Fertigungsstätte in Lichtenau (Westfalen) aufgebaut und auch Kapazitäten bei der Neptun-Technik in Rostock gebunden werden."Wir wollen aber angesichts der Turbulenzen nicht den Fehler machen, und zu rasch expandieren", meinte Twelle mit Blick auf den erst kürzlich bekanntgewordenen Konkurs eines großen deutschen Mitbewerbers. So habe die Südwind GmbH bereits die Verunsicherung bei Investoren zu spüren bekommen, die in der Regel mit einer achtjährigen Amortisationszeit für Windenergieanlagen rechnen."Auch die Banken kalkulieren jetzt höhere Sicherheitsmargen, solange der Streit um die Stromvergütung für Kleinproduzenten nicht vom Tisch ist", berichtet Twelle.Dadurch würde einerseits eine gewisse Torschlußpanik bei Investitionen für 1997 auftreten, zum anderen insbesondere solche Standorte herausfallen, die hinsichtlich der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit weniger günstig liegen. Die Turbulenzen in der Branche hatte auch die Südwind Energiesysteme im vergangenen Jahr in die Arme des Konkursrichters getrieben, nachdem die Banken im Mai die Kredite gekündigt hatten.Nach Angaben von Twelle habe er damals jedoch Geldgeber und andere Kreditinstitute von seinem Konzept überzeugen können."Wir hatten marktfähige Produkte und wir hatten Aufträge, so daß unsere Gruppe schließlich mit einer Eigenkapitaldecke von 6 Mill.DM erneut starten konnte", so der Geschäftsführer.Im vergangenen Jahr sei man durch einen Großauftrag für Indien bereits zum drittgrößten Exporteur Deutschlands bei Windkraftanlagen geworden.Im nächsten Jahr will die Südwind Energiesysteme bereits etwa 100 der im Schnitt 1,2 Mill.DM teuren 600-Kilowatt-Windräder verkaufen und dann auch schwarze Zahlen erreichen.Personell soll das Unternehmen um gut 20 Mitarbeiter, besonders in den neuen Fertigungsstätten, verstärkt werden.

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