Wirtschaft : Surfen im Schnee

Carving-Skier sind die Kurvenstars der Wintersaison – mit den Brettern gleiten auch weniger Geübte rasant den Berg hinab

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Von Carsten Brönstrup

Der Föhn ist Schuld. Warm und feucht belüftete er am vergangenen Wochenende die Hänge der Nordalpen und ließ alle Träume von Pulverschnee und einem frühen Start in die Ski-Saison dahinschmelzen. Selbst in 1800 Metern Höhe zeigte das Thermometer noch zehn Grad – kein Wetter, um die Skier aus dem Keller oder aus dem Sportgeschäft zu holen. Da bleibt noch genügend Zeit, um seine Ausrüstung auf den neuesten Stand zu bringen und vorher den Markt gründlich zu sondieren.

Das ist auch zu empfehlen, denn der Ski-Kunde steht in dieser Saison einer zuweilen verwirrenden Vielfalt gegenüber – von Freeride-Brettern über Allround- bis hin zu All-Mountain-Ski reicht die Angebotspalette. Klar ist nur: „Carving ist nach wie vor der große Trend“, sagt Stefan Schwarzbach, Material-Experte beim Deutschen Ski-Verband (DSV) im bayerischen Planegg. Seit etwa fünf Jahren gibt es die drehfreudigen Bretter, die rasantes Surfen im Schnee statt altbackener Parallelschwingerei erlauben. Ihr Geheimnis sind die in der Skimitte schlanke Form sowie die geringe Länge. Dadurch folgen sie bereitwillig schon schwachem Kantendruck. Heute rutschen schätzungsweise 80 Prozent aller Alpinsportler auf einem solchen Gerät talwärts. Einer Studie des Österreichischem Skiverbandes zufolge bergen Carver sogar ein geringeres Verletzungsrisiko als herkömmliche Bretter. „Jetzt arbeiten die Hersteller daran, Bretter und Schuhe noch komfortabler zu machen und alles besser aufeinander abzustimmen“, weiß Schwarzbach.

Wegen der Produktvielfalt – allein der Hersteller Völkl biete zehn Modelle jeweils in unterschiedlichen Längen und Härtegraden – empfiehlt sich beim Kauf eine genaue Auslese, damit die High-Tech-Latten auf der Piste auch wie gewünscht funktionieren. Generell geht der Trend weg von den extrem kurzen Carvern. Die erlaubten zwar radikale Kurvenfahrten, sind auf Eispisten jedoch schwer zu kontrollieren. Doch zu lange Skier machen auch keinen Spaß. „Wenn der Ski eine Nummer zu lang gewählt wird, leidet die Drehfreudigkeit“, warnt Ski-Fachmann Schwarzbach. 170 Zentimeter seien für Gelegenheits-Fahrer eine ungefähre Richtgröße. „Längere Skier sollte nur kaufen, wer überdurchschnittlich schwer ist oder besonders gut fährt, hohes Tempo und weite Schwünge schätzt.“ Solche Cracks greifen zu Modellen aus der Familie der Race- oder der Slalom-Carver, die den Prototypen aus dem Weltcup stark ähneln. Wer es langsamer mag und lieber einen Haken mehr am Hang schlägt, sollte sich für Allround- oder Komfort-Carver entscheiden. Sie sind Alleskönner und fühlen sich auf breiten Pisten am wohlsten. Wieder andere Produkte, so genannte Freerider, zielen ab auf Tiefschnee-Liebhaber. Sie sind breiter gebaut und bieten im Gelände, in Sulz- oder Pulverschnee mehr Auftrieb, sind aber auf platten Pisten weniger wendig.

Um die schwierige Entscheidung zwischen den bunten Produkten von Head, Dynamic, Atomic, Kneissl oder Fischer zu treffen, ist meist die Beratung im Fachhandel unerlässlich. „An den Skiern rumzubiegen und zu zerren ist vergebene Liebesmüh“, sagt Alpin-Experte Schwarzbach. Besser sei es, der Kompetenz des Händlers zu vertrauen. Geschulte Fachleute erkennt man zum Beispiel am Siegel „DSV-Skiprofis“ vom Skiverband.

Komplett mit Bindung

Zum neuen Ski empfiehlt sich auch die passende Bindung. Auf den Carving-Schnallen steht der Fahrer leicht erhöht und kann sich besser in die Kurve legen – deshalb ist auch davon abzuraten, mehrere Jahre alte und flache Bindungen auf die neuen Skier zu schrauben. Immer mehr Hersteller setzen auf Komplettangebote und liefern die Bindung mit den Skiern gleich mit. Das senkt auch den Preis. „Einsteigermodelle sind schon für 250 Euro zu haben“, sagt Ulrich Fifeik von Intersport Neugebauer im Tegel-Center. Für anspruchsvollere Latten muss der Sportler zwischen 300 und 400 Euro hinblättern, und Top-Modelle können auch 800 Euro kosten. „Die Preise sind allerdings seit Jahren stabil", befindet Fifeik. Daneben warten noch Restposten aus der vergangenen Saison. „Natürlich nicht mehr unbegrenzt“, erklärt Peter Franz Thürl, Sprecher des Händlerverbandes Intersport.

Nicht nur bei den Skiern, auch bei Skischuhen gab es in den vergangenen Jahren große technische Fortschritte. Neue Softboots zum Beispiel versprechen mehr Komfort, weniger Druckstellen an den Füßen und beim Fahren genau die gleiche Stabilität wie traditionelle Hartschalen-Schuhe. „Sie sind etwas für Genussfahrer und vermitteln nicht mehr das Gefühl, man habe einen Klotz am Bein“, sagt DSV-Mann Schwarzbach. Nur sehr guten Fahrern empfiehlt er allerdings Modelle mit starkem Plastik: „Die garantieren mehr Kontrolle über den Ski.“ Mindestens 100 Euro kosten die soften Modelle, die breite Masse liegt indes über 200 Euro, und die obere Preisgrenze bei den Schuhen ist erst bei 500 Euro erreicht – die vesrprechen dann allerdings auch den optimalen Komfort.

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