Wirtschaft : Swissair: LTU gerät mit in den Pleitestrudel

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Nach dem Zusammenbruch des Schweizer Luftfahrtkonzerns Swissair Group verstärken sich in Deutschland die Bemühungen, die Fluggesellschaft LTU aus dem Pleitestrudel heraus zu reißen. Die Schweizer Gruppe besitzt 49,9 Prozent des Düsseldorfer Ferienfliegers, der selbst ein Sanierungsfall ist. An den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen ist neben der nordrhein-westfälischen Landesregierung auch die Handels- und Touristikgruppe Rewe beteiligt, der zum Jahresbeginn 40 Prozent der Fluggesellschaft und die Reiseveranstalter der LTU-Gruppe vollständig übernommen hat.

Der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Verkehrsminister Ernst Schwanhold (SPD) signalisierte bereits, Landesbürgschaften für die LTU bereitzustellen. Das Land habe ein großes Interesse, den Konzern zu erhalten. Schwanhold sieht die Airline "auf gutem Sanierungskurs", nicht zuletzt deshalb, weil sie über "beachtliche Liquidität" verfüge. Dies bestätigte auch ein Unternehmenssprecher. Es gebe "akut keinen Finanzbedarf", das Fluggeschäft gehe normal weiter.

In der Tourismusbranche werden die Rettungsversuche angesichts der erheblichen Überkapazitäten im deutschen Fluggeschäft eher skeptisch kommentiert. Das 1955 gegründete Düsseldorfer Unternehmen produziere um 20 bis 25 Prozent zu teuer, beobachten Wettbewerber. Im vergangenen Jahr machte die LTU bei 2,23 Milliarden Euro Umsatz einen Verlust von 224 Millionen Euro. Der Konzern rechnet damit, frühestens im Jahr 2004 schwarze Zahlen zu schreiben.

Die Swissair war bei der lange Jahre von der WestLB dominierten und gerne als "NRW-Staatsairline" bezeichneten Ferienfluggesellschaft Ende 1998 eingestiegen. Im Zuge weiterer Umstrukturierungen stieg dann auch Rewe ein. 10,1 Prozent hält eine Gruppe um das Kölner Bankhaus Oppenheim und die Axa Colonia Versicherung.

Von einer LTU-Pleite wäre der Heimatflughafen Düsseldorf unmittelbar betroffen. "Die LTU ist für uns immer der Schrittmacher gewesen", sagt Flughafenchef HansJoachim Peters. Mit jährlich 10 000 Flugbewegungen befördere der Ferienflieger fast genauso viele Passagiere wie die Lufthansa mit mehr als 30 000 Starts und Landungen.

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