Wirtschaft : T-Aktie: Wie falsch lag die Telekom?

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Im vergangenen Jahr kamen die ersten Gerüchte auf, die Deutsche Telekom könnte es bei der Bewertung ihres Immobilienvermögens vor dem Börsengang 1997 nicht ganz genau genommen haben. Ende März 2000 verschreckte das Anlegermagazin "Die Telebörse" die Investoren mit einem großen Bericht darüber. Der Wertberichtigungsbedarf liege bei mehr als zehn Milliarden Mark, schrieb das Blatt damals. Schließlich seien selbst Verteilerhäuschen auf der grünen Wiese teilweise mit über einer Million Mark angesetzt worden. Das Dementi der Telekom folgte sofort. Ein Telekom-Sprecher sagte: "Die Geschichte ist von vorne bis hinten an den Haaren herbeigezogen." Der öffentliche Aufruhr legte sich schnell. Bald war Gras über die Sache gewachsen.

Bis die Telekom mit einiger Verspätung eingestehen musste, dass die "Telebörse" doch nicht völlig daneben gelegen hatte. Im vergangenen Februar nahm sie eine Wertberichtigung bei ihren Immobilien vor. Zwei Milliarden Euro (etwa 3,9 Millarden Mark) verschwanden aus der Bilanz. Und plötzlich war man sich bei der Telekom sogar noch nicht einmal sicher, ob das ausreichen würde. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sagte im Frühjahr dem ARD-Magazin Report Mainz: "Ich kann heute noch nicht sagen, ob 3,9 Milliarden die richtige Zahl ist." Im Herbst 2001 würden jedoch die Wirtschaftsprofessoren Karlheinz Küting und Claus-Peter Weber ein Gutachten vorlegen, von dem sich die Telekom objektivere Zahlen erhofft.

Zur Begründung für die Fehlbewertung führt die Telekom an, vor dem Börsengang sei der Zeitdruck hoch gewesen. Es sei unmöglich gewesen, jede einzelne Immobilie individuell zu bewerten. Daher habe das Unternehmen pauschaliert und geschätzt. Der ehemalige DeTe-Immobilien-Chef Frerich Görts sagte jedoch im vergangenen März, er habe den damaligen Finanzvorstand Kröske und den Telekom-Chef Ron Sommer auf die Überbewertungen hingewiesen. Die Staatsanwaltschaft Bonn untersucht den Vorwurf der Falschbilanzierung und des Kapitalbetrugs.

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