Wirtschaft : T-Mobile rechnet mit Preiserhöhungen

Mobilfunkbetreiber fürchten, dass es zum Start des UMTS-Netzes nicht genügend Handys mit der neuen Technik geben wird

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Hannover (vis). René Obermann hat eine strikte Zeitvorgabe: „Die Kunden sollen in drei Sekunden verstehen können, worum es geht.“ Damit hat sich der MobilfunkChef der Deutschen Telekom ein hohes Ziel für seine Produkte gesetzt. Denn immer, wenn von der neuen Mobilfunktechnik UMTS die Rede ist, lautet die erste Frage der vielen Skeptiker: Wofür brauchen wir das?

„Letztlich wird die Menschen überzeugen, dass ihre Lebens- und Arbeitsqualität mit den mobilen Multimediadiensten steigen wird", sagt Obermann. Die Branche habe in der Vergangenheit den Fehler gemacht, zu viel über die Technik zu sprechen und zu wenig über die Anwendungen. Das soll sich ändern. Als ein Beispiel für eine Anwendung, die sofort überzeuge, nennt Obermann die neuen Handys, mit denen man fotografieren und die Bilder gleich verschicken kann: „Auf Knopfdruck Emotionen teilen, das verstehen die Menschen sofort.“ Die Anwendungen – wie der Versand von Bildern, Videos, Musik oder auch E-Mails – seien im Wesentlichen schon da. „Sie kommen künftig mit UMTS aber in einer besseren Qualität zum Kunden“, sagt Obermann.

Noch fürchten die Mobilfunkbetreiber wie T-Mobile aber, dass es zum Netzstart nicht genügend UMTS-Handys geben könnte. „Das ist der kritischste Punkt“, sagt Obermann. Im Herbst soll das UMTS-Netz von T-Mobile starten. Auf einen genauen Termin will sich Obermann noch nicht festlegen. „Wir starten das UMTS-Netz als Bestandteil unseres Multimediaangebots erst dann, wenn das Gesamtpaket stimmt: wenn die Produkte funktionieren, wenn die Handys da sind, wenn die Übergabe zwischen den Netzen klappt“, sagt Obermann. „Wir sollten nicht auf die Wochen achten, sondern vor allem darauf, dass es dann auch funktioniert.“

Neben der ausreichenden Stückzahl wird auch der Preis der neuen Multimediahandys mitentscheidend für den Erfolg sein. Bisher subventionieren die Netzbetreiber Mobiltelefone, um Kunden an sich zu binden. „Ich glaube, dass wir als Branche insgesamt gut daran täten, wenn diese Subventionierung nicht so ausarten würde“, sagt Obermann.

Auf der anderen Seite erwarte er aber auch, dass die Hersteller in der Lage sein werden, hochwertige Geräte zu günstigen Konditionen zu produzieren und anzubieten. „Dass also nicht nur wir die teuren Endgeräte subventionieren müssen, sondern dass die Hersteller uns bessere Preise machen. Dabei hilft uns natürlich unsere Unternehmensgröße mit der entsprechend hohen Nachfrage.“ Am Ende werde man bei den Preisen für die Endgeräte „auf ein ähnliches Niveau kommen wie heute, vielleicht etwas darüber", sagt Obermann. Heute kosten die Spitzengeräte zwischen 199 und 299 Euro.

Der Druck auf die bisher in Europa dominierenden Hersteller wie Nokia und Siemens wächst – nicht nur deshalb, weil alle Mobilfunkbetreiber sparen. Die Hersteller bekommen Konkurrenz vor allem aus Asien. Den hier weniger bekannten Marken will T-Mobile mit der eigenen Marke auf die Sprünge helfen. „In den USA ist es bereits üblich, dass Handys den Namen des Netzbetreibers tragen“, sagt Obermann.

Wenn der Netzstart gelingt und genügend Endgeräte da sind, dann müssen die Mobilfunkbetreiber auch noch Brüssel fürchten. Der neue EU-Rechtsrahmen schafft für die nationalen Behörden die Möglichkeit, auch den Mobilfunkmarkt zu regulieren, und ähnlich wie im Festnetz einzelnen Unternehmen die Preise vorzuschreiben. In Großbritannien, wo T-Mobile ebenfalls am Markt vertreten ist, hat die Regulierungsbehörde den Netzbetreibern bereits Preissenkungen verordnet. „Die Mobilfunkanbieter können es sich aber nicht leisten, auf entscheidende Wertschöpfungsbausteine zu verzichten“, sagt Obermann. Aus seiner Sicht werde es künftig vielleicht teurere Endgeräte geben oder andere Preiskomponenten würden angehoben. „Dass der Markt das einfach so wegsteckt, halte ich für unwahrscheinlich.“

Das würde auch für Deutschland gelten. Doch bisher sieht der Chef der deutschen Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, keinen Anlass, im Mobilfunkmarkt einzugreifen. „Was Herrn Kurth angeht und seine Bewertung des Wettbewerbs, bin ich optimistisch gestimmt“, sagt Obermann. „Und zudem gilt: Letztlich entscheidet nicht der Regulierer, sondern der Kunde.“

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