Wirtschaft : T-Mobile verschiebt Börsengang

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Berlin (Tsp). Die Deutsche Telekom muss in diesem Jahr auf Milliarden-Einnahmen zur Schuldentilgung verzichten. Die Mobilfunktochter T-Mobile wird offenbar auch in diesem Jahr nicht an die Börse gehen. Die Telekom hat den Börsengang bereits mehrfach verschoben. Offiziell ist die Emission 2002 zwar weiterhin „eine Option“, beteuert Mobilfunksprecher Stephan Althoff. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ will der Konzern aber nur noch bis August an dieser Version festhalten. Grund für die Verschiebung ist die schwierige Marktlage, die einen Erfolg der Emission derzeit verhindert. Wird der Börsengang zum Flop, müsste die Telekom auf Milliarden verzichten. Rund zehn Milliarden Euro sollen durch T-Mobile in die Kassen des Konzerns fließen. Geld, das zum Abbau der hohen Verschuldung von 67 Milliarden Euro erforderlich ist.

Die T-Aktie reagierte am Montag mit hektischen Ausschlägen. Am Morgen lag der Kurs noch deutlich im Plus, am späten Nachmittag fiel das Papier um bis zu 3,1 Prozent und schloss mit 2,58 bei 10,21 Euro im Minus.

Die Aufschiebung des Börsengangs wurde von Experten allerdings begrüßt. „Die Telekom könnte bei einem falschen Preis Vermögen in Milliardenhöhe vernichten“, sagte der Telekom-Analyst der BHF-Bank, Werner Stäblein. Seiner Meinung nach wird die Telekom „unter gar keinen Umständen“ in diesem Jahr T-Mobile-Aktien am Markt platzieren. Ein Negativ-Beispiel ist die France Télécom-Tochter Orange. Als das Mobilfunkunternehmen im Februar 2001 an die Börse ging, lag der Emissionspreis 18 Prozent unter dem ursprünglich angestrebten Wert.

Bevor die T-Aktie selbst nicht wieder von Anlegern gefragt ist und der Kurs anzieht, sind die Chancen für den Börsengang von T- Mobile nach Ansichten von Analysten gering. In der laufenden Woche könnte der Kurs der T-Aktie sogar unter die Marke von zehn Euro fallen, denn, so ein Frankfurter Börsenhändler, der Markt wolle die T-Aktie „unter zehn Euro“ sehen.

Mit ihren zahlreichen Beteiligungen, darunter die US-Tochterfirma Voice-Stream, gehört die T-Mobile International AG zu den weltweit größten Anbietern. Einschließlich Minderheitsbeteiligungen kommt T- Mobile derzeit auf gut 67 Millionen Kunden. Die hohen Ausgaben für Firmenübernahmen und die Kosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen werden die Bilanz von T-Mobile über Jahre belasten. Dabei ist das Mobilfunkgeschäft im Grunde genommen der Hoffnungsträger des Konzerns. Im Jahr 2000, noch unter dem Eindruck der anhaltenden Euphorie in der Telekommunikation, kündigte der Vorstand unter dem Slogan „T Hoch 3“ unter anderem auch den Börsengang von T-Mobile an. Eine Akquisitionswährung wolle sich das Unternehmen schaffen und sich für künftige Firmenkäufe wappnen. Zuvor hatte der Konzern T-Online an die Börse gebracht und der Bund erstmals T-Aktien verkauft. Doch aus dem Hoch 3 wurde nichts. Die Aktienkurse, die bereits seit Frühjahr 2000 auf Talfahrt waren, brachen ein. Der Börsengang von T-Mobile wurde verschoben.

Erste Auswirkungen hat der Kursverlust der T-Aktie bereits am 21. Juni. Die Gewichtung der Aktie im Dax wird zurückgenommen. Von derzeit 9,66 Prozent auf dann nur noch 7,78 Prozent. Damit schlagen die Verluste des Papiers dann nicht mehr so stark auf die Entwicklung des Index durch. Denn die Verluste der T–Aktie überwiegen die Verluste des Deutschen Aktien-Index bei weitem. Hätte sich der Kursrückgang der Aktie seit der bisher letzten Kapitalerhöhung im Juni 2000 parallel zum Dax entwickelt, müsste das Papier der Telekom heute bei rund 43 Euro stehen. Droht nun gar der Rausschmiss aus dem Dax? Die Börsianer winken ab. Denn immerhin hatte die T-Aktie bei einem Kurs von zuletzt gut zehn Euro noch eine Marktkapitalisierung von rund 45 Milliarden Euro. Damit lag das Papier nach der Allianz, dem Autohersteller Daimler-Chrysler und der Deutschen Bank auf dem vierten Platz unter den 30 Dax-Titeln. Der derzeit kleinste Wert im Dax, Epcos, bringt es immerhin noch auf eine Marktkapitalisierung von fast drei Milliarden Euro. Der Kurs der T-Aktie müsste also rein rechnerisch auf unter einen Euro fallen.

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