Wirtschaft : Tabak-Lobby sieht Jobs in Gefahr

Berlin - Ein wenig betreten wirken die Betriebsräte der deutschen Tabakindustrie, als sie am Dienstag im Haus der Bundespressekonferenz zusammentreten. Die sieben Räte, darunter die von Philip Morris, British American Tobacco und Lekkerland Deutschland, wollen auf den letzten Drücker noch die Politik dazu bewegen, ihre Branche doch nicht so stark zu regulieren. Denn den Tabakherstellern stehen große Veränderungen ins Haus: Kommenden Dienstag stimmen die Abgeordneten des Europäischen Parlaments über eine Neufassung der Tabakrichtlinie ab. Sie sieht deutlich strengere Warnhinweise vor – bis zu 75 Prozent der Verpackungsfläche sowie drastische Bilder sind in der Diskussion – sowie ein Verbot von Produkten mit Zusatzstoffen, etwa Mentholzigaretten.

Die Arbeitnehmervertreter fürchten nun um die Arbeitsplätze in der Tabak-Industrie: „Die Mitarbeiter sorgen sich und haben immer mehr Wut, als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt zu werden“, sagt Walberer, Betriebsratsvorsitzender bei British American Tobacco. Sie würden nach wie vor ein legales Produkt herstellen.

Allein in Deutschland sind nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten 52 000 Menschen direkt im Tabaksektor beschäftigt. Das umfasst den Anbau, die Verarbeitung und den Handel. Weitere 55 000 leben indirekt von der Tabakbranche. In Berlin würden vor allem die 1400 Beschäftigten im Neuköllner Werk von Philip Morris, dem größten Anbieter von Tabakwaren, betroffen sein. Insgesamt rechnet die Branche mit Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe. Etwa 700 000 Raucher sterben nach EU-Angaben jährlich an den Folgen ihres Tabak-Konsums. Die EU versucht deshalb, die seit 2001 geltende Tabak-Produktrichtlinie neu zu fassen. Aus Sicht der Tabak-Produzenten bringen die strengeren Regelungen aber wenig, im Gegenteil: „Wir befürchten, dass sich die Qualitätsstandards verschlechtern werden“, warnt Walberer. Schockierende Bilder auf Zigarettenpackungen würden keinerlei Wirkung bei Betroffenen zeigen, argumentieren Branchenvertreter. Produktverbote könnten dagegen die Nachfrage auf dem Schwarzmarkt befeuern. jur

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