Tagesgeld-Vergleich : Tagesgeld oder Kombiprodukt? Diese Produkte sind für Sparer interessant

Kombiprodukte bieten Sparern höhere Zinsen – und die Chancen und Risiken der Fondsanlage. Wer sich vergreift, macht unterm Strich Verlust.

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Kleines Vermögen. Bei Zinsen von durchschnittlich 0,75 Prozent sind viele Sparer auf der Suche nach Alternativen.
Kleines Vermögen. Bei Zinsen von durchschnittlich 0,75 Prozent sind viele Sparer auf der Suche nach Alternativen.Foto: dpa

„Das Beste aus zwei Welten“ versprechen die Banken. Weil mit normalen Sparprodukten derzeit nirgends mehr als 1,6 Prozent, im Schnitt sogar nur 0,75 Prozent zu erzielen sind, locken Kreditinstitute mit Kombiprodukten. Dem Anleger werden höhere Zinsen versprochen – indem er Festgeld mit Fonds kombiniert oder Festgeld mit flexiblem Tagesgeld. Bis zu vier Prozent kann bekommen, wer sich in ein Zwitterprodukt wagt und dabei ein höheres Risiko nicht scheut. Verbraucherschützer sind skeptisch.

KONTO PLUS FONDS

„fest & fonds“ heißt das Produkt von Comdirect, der Online-Tochter der Commerzbank: Sechs Monate lang werden vier Prozent angeboten, wenn der Kunde die Hälfte des Anlagebetrages in einen von zehn Fonds steckt. „Damit Ihr Geld nicht rostet, wenn es rastet“ lockt die Direkt Anlage Bank und verspricht Tagesgeldzinsen von 3,5 Prozent, ebenfalls für ein halbes Jahr. Allerdings muss der Kunde dafür ein bestehendes Depot von der Konkurrenz komplett zur DAB-Bank rüberziehen. Eröffnet er nur ein neues Depot mit mindestens 5000 Euro in beliebigen Wertpapieren, bekommt er immerhin 2,5 Prozent. Ähnlich ist es bei Cortal Consors, der Online-Tochter der französischen Großbank BNP Paribas: Wer komplett mit einem Depot umzieht, erhält als Dankeschön drei Prozent Zinsen auf Summen bis 20 000 Euro – für ein Jahr.

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Am großzügigsten ist die Volkswagen-Bank – allerdings nur auf den ersten Blick. Die Bank verspricht mit ihrem „starken Doppel“ zwar satte 3,5 Prozent für zwölf Monate. Dafür muss der Kunde jedoch nicht nur mindestens 5000 Euro in Fonds investieren, sondern auch eine Depotgebühr von 23,40 Euro pro Jahr zahlen. Will er sich die Kosten sparen, muss er an jedem Monatsende Papiere mit einem Wert von mindestens 10 000 Euro im Depot haben, häufiger handeln oder ein Girokonto bei Volkswagen eröffnen.

Hinzu kommt: Bei allen Kombi-Anbietern zahlt der Kunde einen Ausgabeaufschlag auf die Fonds, also eine Verkaufsgebühr, die als Provision an die Bank geht. Meist liegt sie bei 2,5 Prozent der angelegten Summe. Zwar ist der Ausgabeaufschlag im Vergleich zum Angebot normaler Filialbanken reduziert, doch muss er erst an der Börse erwirtschaftet werden, bevor eine Rendite entstehen kann.

Ein Rechenbeispiel: Wer bei der VW- Bank 10 000 Euro in „Kombi Invest“ steckt, erhält auf 5000 Euro für zwölf Monate 175 Euro. Für die restlichen 5000 Euro muss er Fonds kaufen, bei denen er 125 Euro Provision zahlt, also zunächst nur 4875 Euro anlegt. Bei der Comdirect wirft der Zinsköder binnen eines Jahres (also mit einer Rendite von vier Prozent auf sechs Monate und von 0,75 Prozent für die zweite Hälfte) nach Berechnungen der Bank am Ende 118 Euro ab. Für den gleichzeitig gekauften Fonds zahlt er jedoch 125 Euro Gebühren, die die Zinsen also komplett auffressen.

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Ein Nullsummenspiel war das Investment gerade im zurückliegenden Jahr dennoch nicht. Hat sich ein Anleger zum Beispiel für ein Investment in deutsche Aktien entschieden und beim Comdirect- Zwitterprodukt den DWS Deutschland aus dem Konzern der Deutschen Bank gewählt, so kam zu dem Zinsgewinn ein Kursgewinn von knapp 24 Prozent hinzu. Vor Steuern hatte er also 118 Euro Zinsgutschrift plus 1160 Euro Kursgewinn auf dem Konto, nach Abzug des Ausgabeaufschlags. Pech hätte der Kunde jedoch gehabt, wenn er den Carmignac Patrimoine mit einem nur sehr geringen Plus oder gar den Pictet Global Emerging Debt gewählt hätte, der seit September 2012 gut sieben Prozent im Minus liegt.

MEHR ZINS, WENIGER AUSWAHL

Verbraucherschützer kritisieren: Festgeld-Anleger würden beim Schielen auf einen attraktiven Zins in ein riskanteres Aktienprodukt getrieben, mahnt Nils Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Wahlmöglichkeit sei dabei oft klein. Comdirect-Sprecherin Christiane Krämer hingegen sieht die Kombi-Produkte als „faires Angebot, von dem Anleger insbesondere in der Zinsflaute profitieren können“. Es sei niemandem zu empfehlen, unüberlegt in Anleihen oder Aktien zu investieren. Klar sein müsse, dass das Produkt dem Kunden „auf der Fondsseite zwar höhere Risiken bringe als beispielsweise ein Tagesgeldkonto, aber eben auch bessere Chancen“. Da vielen Kunden die Wahl unter Tausenden Fonds schwer falle, habe man „eine Vorauswahl“ von zehn Produkten für konservativ bis spekulativ orientierte Kunden getroffen. Alle Papiere seien von der Fondsratingagentur Morningstar mit Auszeichnungen versehen.

Fazit: Im positiven Fall – bei steigenden Aktien- oder Anleihe-Märkten oder einem guten Händchen des Fondsmanagers – wird der Gewinn der Kombi-Produkte ein risikoarmes Investment auf einem Geldkonto toppen. Bei fallenden Märkten hingegen muss der Anleger Verluste verkraften können. Auch Kombi-Produkte können folglich die Gesetze der Geldanlage nicht aushebeln: Einen höheren Zins gibt es nur um den Preis eines höheren Risikos.

Wer nicht an den Aktienmärkten anlegen möchte, kann – mit niedrigerem Risiko und Zins – eine Variante wählen, die Fest- und Tagesgeld kombiniert: So bietet die VTB Direkt, Tochter einer russischer Großbank, zwei Prozent Zins, wenn der Anleger zwischen 500 Euro und zehn Millionen Euro 36 Monate lang fest anlegt. Dabei kann er über 20 Prozent des Geldes – ohne Zinsverlust – wie beim Tagesgeld verfügen. Der Nachteil: Beim „VTB duo“ sind 80 Prozent des Geldes eben ziemlich lange fest gebunden, und dies in Zeiten, in denen eine Zinswende greifbar sein könnte.

Die Zinsen steigen auch schon, allerdings nur bei Baugeld und sehr langfristigen Anlagen. Zwei- bis zehnjährige Sparbriefe werfen inzwischen wieder mehr ab: Mehrere Autobanken und Sparkassen haben die Sätze zuletzt erhöht. Wer allerdings 2,8 bis knapp über drei Prozent einfahren will, muss sein Geld immer noch auf zehn Jahre fest anlegen.

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