Tarifkonflikt : Kann das neue Bahn-Angebot Streiks verhindern?

Im Tarifstreit mit den Lokführern kommt die Deutsche Bahn der Gewerkschaft GDL offenbar entgegen. Eine zentrale Forderung der Lokführer soll erfüllt werden. Dennoch droht der Bahn bereits neuer Ärger.

Düsseldorf/BerlinDie Konzernführung bietet den Lokführern nach Informationen der "Rheinischen Post" einen eigenständigen Tarifvertrag an, der allerdings unter ein gemeinsames Tarif-Dach gestellt werden soll. Die GDL will am Montag über das bislang geheime Angebot beraten. Unterdessen zeichnet sich bei der Bahn ein weiterer Konflikt mit der Gewerkschaft Transnet ab, die den neuen Winterfahrplan blockieren will, wie die "Berliner Zeitung" berichtet.

Einschließlich aller Sonderzahlungen und Verbesserungen im Schichtdienst liege das neue Angebot der Bahn über zehn Prozent, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Politikerkreise. Rechne man diese Bestandteile hingegen ab, betrage der Gehaltszuwachs weniger als acht Prozent. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte ursprünglich 31 Prozent gefordert.

Geißler warnt vor "radikalen Positionen"

Der ehemalige Moderator in dem Konflikt, Heiner Geißler (CDU), äußerte sich zurückhaltend zu den Einigungschancen und warnte beide Seiten davor, "radikale Positionen" zu vertreten.

Geißler sagte, ein eigenständiger Tarifvertrag für die GDL sei "dann möglich, wenn er in der Verantwortung für das Gesamtunternehmen DB und mit Rücksicht auf die anderen Mitarbeiter abgeschlossen wird". Auf der anderen Seite dürften Unabhängigkeit und Selbstständigkeit einer Gewerkschaft nicht gefährdet werden.

Viele Menschen stehen trotz der massiven Verkehrsbehinderungen in den vergangenen Wochen weiter auf der Seite der Lokführer. In einer Umfrage stimmten 45 Prozent der Aussage zu, vor allem die Bahn trage die Verantwortung für die lange Dauer des Tarifkonflikts. 26 Prozent sahen die Schuld hauptsächlich bei der GDL, 21 Prozent bei beiden Seiten. Das Institut Forsa hatte für den Sender n-tv am Dienstag und Mittwoch 1000 Menschen befragt.

Transnet: Fahrplanwechsel kann zum Fiasko werden

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet droht unterdessen nach Informationen der "Berliner Zeitung" mit der Blockade der neuen Dienstpläne, die bei der Bahn mit dem Wechsel zum Winterfahrplan ab dem 9. Dezember gelten sollen. "Wir werden es darauf ankommen lassen, dass diese Dienstpläne im schlimmsten Fall nicht umgesetzt werden können", sagte der Tarifvorstand der Gewerkschaft, Alexander Kirchner, der Zeitung. "Wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden, kann der Fahrplanwechsel zum Fiasko werden". "Die Betriebsräte aller zwölf Betriebe bei der DB Fernverkehr haben 85 Prozent der Dienstpläne, die zum Fahrplanwechsel greifen sollen, abgelehnt", erklärte der Transnet-Vorstand.

Hintergrund sind die Klagen der Beschäftigten über unzumutbare Verschlechterungen der Arbeitszeit und bei den Schichtdiensten. So soll mit dem Fahrplanwechsel laut Kirchner der Anteil der Schichten, die nach 24 Uhr enden und vor 5 Uhr beginnen, deutlich erhöht werden: "Mit der Folge, dass unsere Kollegen nicht mehr wissen, wie sie zu ihrem Einsatzort beziehungsweise von dort nach Hause kommen", sagte er. Zudem würde vor allem beim Begleit- und Servicepersonal die Zahl der auswärtigen Übernachtungen deutlich steigen. (mit dpa/AFP)

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