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Tarifkonflikt : Lufthansa will Piloten-Streik abwenden

Die Piloten der Lufthansa wollen ab Mittwoch streiken. Tausende Flüge stehen auf der Kippe. Jetzt versucht der Konzern, den Streik abzuwenden.

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Die Piloten der Lufthansa fordern mehr Geld und eine bessere Absicherung im Alter.
Die Piloten der Lufthansa fordern mehr Geld und eine bessere Absicherung im Alter.Foto: dpa

Die Lufthansa will den Pilotenstreik in dieser Woche noch abwenden. „Dieses Thema ist sehr komplex, deshalb würde ich es gern mit der VC gemeinsam lösen“, sagte Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens dem „Spiegel“. Die in der Vereinigung Cockpit (VC) organisierten Piloten wollen den Flugbetrieb für drei Tage lahmlegen. In dem Tarifstreit geht es nicht nur um höhere Löhne, sondern auch um die Frage, wann und zu welchen Bedingungen die Piloten in Rente gehen können.

Das Unternehmen sei jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen, betonte Volkens. Die Piloten wollen die Arbeit von Mittwoch bis Freitag niederlegen. „Einen dreitägigen Vollstreik hat die Lufthansa noch nie erlebt“, sagte eine Konzernsprecherin. Fast alle 5400 Piloten sind Mitglieder der Gewerkschaft. Damit stehen Tausende Flüge auf der Kippe. Nach Schätzung von Metzler-Analyst Jürgen Pieper geht der Lufthansa im Fall eines Drei-Tages-Streiks ein operativer Gewinn von 30 bis 50 Millionen Euro durch die Lappen. Betroffen von dem Arbeitskampf wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben eigene Tarifverträge und wären nicht berührt.

Lufthansa plant Ersatz-Flugplan

Für den Fall, dass die Piloten ab Mitte der Woche streiken, bereitet die Lufthansa derzeit einen Ersatzflugplan vor. Die Verbindungen des Ersatzflugplans sollen Piloten absolvieren, die nicht bei der VC organisiert sind. Die Lufthansa bietet zudem kostenlose Umbuchungen an. Möglich sei dies für Verbindungen von und nach Deutschland in der Zeit von Mittwoch bis Freitag.

Mit dem Streik in den ersten April-Tagen trifft VC nun doch die Osterferien, die in Hamburg, Bremen und Niedersachsen beginnen. Noch vor einer Woche hatte Ilona Ritter, VC-Vorsitzende für Tarifpolitik, betont, dass man die Osterferien für Streiks möglichst ausnehmen wolle. Das Lufthansa-Management habe das aber „nicht als Zeichen unseres Verantwortungsbewusstseins gegenüber den Urlaubsreisenden verstanden. Wir lassen uns von Lufthansa nicht hinhalten“, empörte sich Ritter.

Die Vereinigung Cockpit könnte einer Deckelung der Übergangsversorgung zustimmen

Angeblich auf Anregung von VC haben sich beide Seiten zuletzt mehrfach zusammengesetzt. Dabei habe, so Ritter, die VC Bereitschaft signalisiert, die Kosten für die Übergangsversorgung der Piloten zu deckeln. Was dies im Detail heißt, lässt VC offen. Das verbesserte Angebot der Lufthansa sieht nach einer sechsmonatigen Nullrunde für die Zeit von Mai 2012 bis Ende 2015 eine Erhöhung der Pilotengehälter – derzeit verdienen sie mit Zulagen zwischen 78.000 und 260.000 Euro – um 5,2 Prozent vor. Zudem soll es für 2013 einmalig 2000 Euro geben. Unabhängig von diesem Angebot steigen die Pilotengehälter jedes Jahr automatisch um drei Prozent. Die VC fordert rund zehn Prozent, allerdings nur für von Mai 2012 bis Mitte 2014.

Im Blick auf die umstrittene Übergangsversorgung will die Lufthansa garantieren, dass die Piloten nach wie vor vorzeitig ab 55 ausscheiden können und dabei bis zu 60 Prozent ihrer letzten Bezüge erhalten. Dies gilt für alle Piloten, die bis Ende 2013 bei Lufthansa angefangen. Neu eingestellte Piloten bei Lufthansa sollen, sofern tauglich, bis mindestens 60 arbeiten. (mit dpa)

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