Wirtschaft : "Tarifpolitik darf kein Reparaturbetrieb sein"

MANNHEIM (Schl.).Der Berliner Bezirksleiter Hasso Düvel ist der Meinung, daß die IG Metall gestärkt aus dem Mannheimer Gewerkschaftstag hervorgeht.Die Wahl des niedersächsischen Bezirksleiters Jürgen Peters zum neuen Zweiten Vorsitzenden habe die Sehnsucht der Gewerkschafter nach einer einheitlichen Führung zufriedengestellt, sagte er am Dienstag dem Tagesspiegel.Das neue Spitzenduo Zwickel/Peters sei eine gute Konstellation für die Zukunft.

Auch unter der neuen Führungskombination werde es intern eine kritische Auseinandersetzung in Sachfragen geben, erwartet Düvel.Nach außen aber werde die Gewerkschaftsspitze Orientierung geben und mit einer Stimme sprechen.Dies sei im Zusammenspiel zwischen Zwickel und Riester zum Leidwesen vieler Mitglieder häufig nicht der Fall gewesen.Düvel, der Peters aus eigenen Hannoveraner Zeiten kennt, sagte, dieser arbeite interessenorientiert, ringe um Lösungen und habe in der Vergangenheit Kompromißfähigkeit bewiesen.Peters könne integrieren und zusammenfügen.

Zum Vorwurf, die IG Metall habe es versäumt, den Verjüngungsprozeß bei der Besetzung von Vorstandsposten einzuleiten, sagte Düvel, die Personen und nicht deren Alter spielten die Hauptrolle.Er sei überzeugt davon, daß die IG Metall "den Generationenwechsel schon hinkriegen wird".Auf die Frage, ob sich zum Vorsitzenden Zwickel bereits Alternativen abzeichneten, sagte Düvel, Zwickel habe erklärt, er werde 1999 erneut kandidieren.Ob es dann andere Kandidaten gebe, werde man sehen.

Zur Debatte über die inhaltlichen Ziele der IG Metall und mit Blick auf die bevorstehenden Gespräche über ein "Bündnis für Arbeit" meinte Düvel, die IG Metall müsse sich sehr bald darüber klar werden, ob die Schnittstelle zwischen reiner Tarifpolitik und den Aufgaben einer Regierung neu definiert werden müsse.Tarifpolitik dürfe nicht zum Reparaturbetrieb für nicht stattgefundene Politik werden.

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