Wirtschaft : Tarifstreit: Auch in den USA könnte bald das Flugpersonal streiken

Nicht nur in Europa, auch in den USA werden Flugpassagiere mitunter auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Wer etwa in diesem Sommer auf Fluggesellschaften angewiesen ist, könnte Schwierigkeiten bekommen: Piloten, Flugbegleiter und Mechaniker drohen den drei größten US-Airlines mit Streiks. Bei American, United und Delta laufen die Verhandlungen auf Hochtouren. US-Präsident George W. Bush hat bereits angekündigt, persönlich einzugreifen, um Chaos auf den US-Flughäfen zu verhindern. "Der Präsident ist sehr besorgt, das die Airline-Streiks der Wirtschaft schaden könnten", heißt es im Weißen Haus.

Die ordentlichen Gewinne der Fluggesellschaften haben auch die Angestellten jenseits des Atlantiks auf den Plan gerufen. Sie wollen etwas vom Kuchen abhaben, nachdem sie ihre Gehaltsforderungen in der finanziell schwierigen Phase der Airlines Anfang der 90er Jahre zurückgeschraubt hatten. Doch die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Monaten hin. Bei Delta Airlines liegt das Management seit fast zwei Jahren mit den 9800 Piloten über Kreuz. Das Angebot der Fluggesellschaft und die Gehaltsforderung der Piloten liegen 1,7 Milliarden Dollar auseinander. Bei United Airlines drohen die Mechaniker mit Streiks. Sie verhandeln seit mehr als einem Jahr über neue Verträge - bislang ohne Erfolg. Auch die Flugbegleiter von American fordern mehr Geld.

Ein US-amerikanisches Gesetz verbietet Angestellten von Fluggesellschaften zu streiken, so lange Aussicht auf Einigung besteht. Ein unabhängiger Vermittlungsausschuss überwacht die Verhandlungen. Der Präsident persönlich kann eine weitere Verhandlungsrunde verfügen. Bei Delta läuft die erste Frist Ende April aus. Kaum einer zweifelt daran, dass Bush weitere Verhandlungen verlangen wird. Delta gibt sich überzeugt, dass eine Lösung gefunden und der Streik vermieden wird.

Der angedrohte Arbeitskampf lässt die Gesellschaften zittern. Die Flughäfen und Gesellschaften arbeiten ohnehin am Rande der Kapazität. Jede noch so kleine Störung im Ablauf könnte den Flugverkehr ins Chaos stürzen.

Schon jetzt sitzen tausende Passagiere jeden Tag in gelandeten Maschinen fest und warten, bis ein Flugsteig zum Aussteigen frei wird. Warteschleifen in der Luft und Schlangen von bis zu 25 Maschinen, die starten wollen, sind an der Tagesordnung. Das Transportministerium macht die Misere publik: In Februar hatten die Flüge vom La Guardia-Flughafen in der Hauptverkehrszeit im Durchschnitt 45 Minuten Verspätung, auf dem John F. Kennedy Flughafen 48 Minuten, in Los Angeles 38 Minuten. Im vergangenen Jahr flogen 670 Millionen Passagiere mit US-Airlines, 50 Prozent mehr als 1990. In zehn Jahren könnten es nach Schätzungen über eine Milliarde sein. Die Airlines haben zwar immer mehr Maschinen gekauft, um die Nachfrage zu befriedigen, doch sind die engen Flugpläne kaum noch einzuhalten. Es fehlt überall an neuen Start- und Landebahnen und vor allem an einer moderneren Verkehrsleitung. Wenn der Luftraum mit mehr satellitengestützten Navigationssystemen kontrolliert würde, brauchten Flugzeuge nicht mehr in engen Korridoren zu fliegen.

Trotz der massiven Verkehrszunahme wurden in den vergangenen zehn Jahren nur sechs neue Startbahnen gebaut. Der Kongress hat im vergangenen Jahr für ein dreijähriges Bauprogramm 16 Milliarden Dollar freigegeben. Doch dauern solche Vorhaben im Durchschnitt zehn Jahre. Daran seien die endlos langen Umweltschutzanhörungen schuld, meint "USA Today" verärgert.

Streiks in Frankreich

Aus Protest gegen einen Sanierungsplan sind am Mittwoch Beschäftigte der französischen Fluggesellschaften Air Liberté und AOM in den Streik getreten. Die meisten innerfranzösischen Flüge fielen aus. Die beiden Airlines gehören zur Swissair-Gruppe, die in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Die Gewerkschaften wehren sich gegen die Absicht der Konzernleitung, die Aktivitäten der beiden Fluggesellschaften bis November um ein Viertel zu reduzieren. Sie befürchten, dass 1500 der 7000 Beschäftigten ihren Job verlieren.

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