Tarifstreit : Bahn legt GDL neues Angebot vor - keine Streiks bis Montag

Bahnkunden können aufatmen: Die Lokführer wollen die neue Offerte der Bahn erst in Ruhe prüfen, bevor sie in weitere Tarifverhandlungen treten - und verzichten bis dahin auf einen Arbeitskampf. Dafür setzt eine weitere Gewerkschaft die Bahn unter Druck.

schell
Lokführer-Chef Manfred Schell nach den Sondierungsgesprächen mit dem GDL-Tarifexperten Joachim ten Hagen auf dem Beifahrersitz. -Foto: dpa

Frankfurt/BerlinDie Bahn hat der Lokführergewerkschaft GDL ein neues Angebot zur Lösung des festgefahrenen Tarifkonflikts vorgelegt. Es sei eine "deutlich verbesserte" Offerte, teilte der bundeseigene Konzern mit. Die GDL erklärte, dass es bis diesen Montag keine neuen Streiks geben werde. Die Gewerkschaft will das Angebot bis Montag prüfen. Dann wird der Hauptvorstand darüber entscheiden, "ob wir auf der Basis dieses Angebots in Verhandlungen eintreten werden", so GDL-Chef Manfred Schell. Über den Inhalt der neuen Offerte wurde von beiden Seiten Stillschweigen vereinbart.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte: "Wir sind ab sofort jederzeit und an jedem Ort zu Verhandlungen bereit." Nach Angaben der GDL gab es heute keine weiteren Gespräche zwischen Vertretern der Bahn und der Gewerkschaft. Das Angebot ist schriftlich eingereicht worden. Sollten die GDL-Gremien am Montag beschließen, in Verhandlungen einzutreten, gilt wieder Friedenspflicht. Dann wird es bis zum Abschluss der Verhandlungen keine weiteren Streiks geben.

Basis gegen Kompromisse

Die Basis der Gewerkschaft warnt die GDL-Spitze, vor der Bahn nicht einzuknicken. "Entweder man hat den Willen zur Einigung, oder wir müssen eben doch wieder zu anderen Mitteln greifen", sagte der Berliner GDL-Bezirkschef Hans-Joachim Kernchen dem Tagesspiegel. Es dürfe keine zu großen Kompromisse geben: "Ein eigener Tarifvertrag ist das Wichtigste, dahinter sollten wir nicht zurückgehen." Der Bahn warf Kernchen eine Hinhaltetaktik vor. Die Wirkung der Streiks dürfe man "jetzt nicht einfach verpuffen lassen".

Das bisherige Angebot der Bahn enthielt 4,5 Prozent mehr Geld, 600 Euro Einmalzahlung sowie weitere Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit. Das ist den Lokführern zu wenig. Die GDL fordert neben deutlichen Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich vor allem einen eigenständigen Tarifvertrag, was die Bahn bisher ablehnte. Die GDL hatte deshalb immer wieder den Zugverkehr bestreikt. Zuletzt waren die Lokführer in einen 62-stündigen Arbeitskampf getreten und hatten sowohl den Güterverkehr als auch den Nah- und Fernverkehr nahezu lahmgelegt.

Mehdorn und Schell hatten seit Dienstag Gespräche über eine Lösung des festgefahrenen Tarifstreits geführt. Am Montag waren sie bei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zusammengekommen, um über ein mögliches weiteres Vorgehen zu verhandeln.

Transnet fordert schnelles Angebot

Parallel zum Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL pocht die Gewerkschaft Transnet auf rasche Vorschläge des Konzerns zur Verbesserung der Entgeltsysteme. "Ich erwarte noch in dieser Woche entsprechende Angebote", sagte der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen im Sender N-TV. "Wenn die nicht kommen, werden wir uns überlegen müssen, wie wir unsere Mitglieder mobilisieren." In einem Gespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und Personalvorstand Margret Suckale habe er gefordert, die "vage Aussage" zu konkretisieren, dass für solche Verbesserungen ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt werden solle.

Mit von Transnet organisierten Streiks sei "nicht von heut auf morgen" zu rechnen, da nach dem im Sommer erzielten Tarifabschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus Friedenspflicht herrsche. Um darüber hinaus Verbesserungen in der Bezahlungsstruktur zu erreichen, sei aber auch Transnet in der Lage "jederzeit in eine Kampfsituation zu gehen, was ich nicht möchte". An den laufenden Sondierungsgesprächen zwischen der GDL und der Bahn ist Transnet derzeit nicht beteiligt. Hansen unterstrich aber: "Alles, was mit der GDL abgeschlossen wird und andere Beschäftigte in ihrer Erwartungshaltung genauso betrifft, wird den Konflikt nur verlängern und nicht beenden." (mit Tsp/dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben