Tarifstreit der Deutschen Bahn : Weihnachtlicher Friede - vorerst

Im Tarifstreit der Deutschen Bahn bleibt es bis zum neuen Jahr ruhig. Die EVG will vorerst nicht mehr zu Arbeitskämpfen aufrufen. Im neuen Jahr könnte es dann aber wieder ungemütlich werden.

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Wartender Bahn-Passagier mit Koffern.
Keine Panik, der Weihnachtsverkehr fährt auf der Schiene: Es gibt keine Streiks und besonders kalt wird es auch nicht.Foto: picture alliance / dpa

Die gute Nachricht war schnell erzählt: Bis zum 14. Januar will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG nicht mehr zu Arbeitskämpfen bei der Deutschen Bahn aufrufen. Bei Ausständen in den kommenden Tagen würde man vornehmlich die Reisenden treffen, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba am Freitag in Frankfurt am Main. „Das ist nicht unser Ziel.“ Aus welchem Grund Reisende an anderen Tagen weniger getroffen würden, sagte sie aber nicht.

Das soll aber nicht heißen, dass es nun auf lange Sicht im Bahn-Tarifstreit friedlich wird. „Wenn sich am Verhandlungstisch erkennbar nichts mehr bewegt, bewegt sich dann auch bei der Bahn nichts mehr“, drohte Rusch-Ziemba. So ähnlich hat es auch die Lokführergewerkschaft GDL gemacht: Sie verlangt zwar bis zum 17. Dezember ultimativ ein neues Angebot von der Bahn. Die Arbeit niederlegen will sie aber bis einschließlich 11. Januar nicht. „Wahrscheinlich macht der Vorsitzende Claus Weselsky bis dahin Urlaub“, witzelte jüngst ein Bahn-Manager über den Gewerkschafter.

Kleiner Durchbruch im Bahn-Tarifstreit

EVG und Bahn haben sich in einigen Punkten derweil offenbar angenähert. Von einem „kleinen Durchbruch“ sprach Rusch-Ziemba am Freitag. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro, um insbesondere Geringverdiener zu stärken. Die Bahn hat nun 50 Euro pro Monat angeboten. Ansonsten blieb sie weiter hinter der EVG-Forderung zurück – sie bietet nur fünf Prozent mehr Lohn, verteilt auf 29 Monate. „Das ist uns aufs Jahr gerechnet viel zu wenig“, befand die EVG-Sprecherin Rusch-Ziemba.

Noch weiter auseinander als beim Geld sind Gewerkschaften und Bahn beim Kernpunkt des Konflikts, der Machtfrage. Die GDL will nicht mehr wie früher nur für die rund 20 000 Zugführer, sondern auch für ihre Mitglieder unter den 17 000 Zugbegleitern oder Rangierführern eigene Tarifverträge abschließen. Bislang hatte die EVG für alle Berufsgruppen außer den Lokführern verhandelt. Im Gegenzug pocht die EVG darauf, nun für die Lokführer in ihren Reihen zu sprechen. Die Bahn lehnt aber verschiedene Verträge für dieselbe Beschäftigtengruppe ab. Ihr Ziel ist es, weitgehend identische Verträge mit beiden Organisationen auszuhandeln, materiell soll niemand bevorzugt werden. Der Konzern fürchtet, dass sich konkurrierende Gewerkschaften wechselseitig mit ihren Forderungen hochschaukeln würden.

Beamtenbund droht mit "schlimmsten Arbeitskämpfen aller Zeiten"

Doch die GDL steht nicht isoliert da. Der Beamtenbund, ihre Dachorganisation, droht sogar mit „einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten“, wenn es bis kommenden Mittwoch kein Angebot ohne Vorbedingungen gebe. „Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram“, sagte Vizechef Willi Russ der „Süddeutschen Zeitung“. Der Beamtenbund verwaltet die Streikkasse der GDL, die auch damit ihre Arbeitskämpfe finanziert.

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