Tarifstreit der Lokführer : Kraft der Bulette

Wie sich der Unternehmensvorstand und die Lokführer aufeinander zu bewegen: Bahnchef Hartmut Mehdorn will den Lokführern am Montag ein neues Angebot vorlegen. Demnach hat die Bahn einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer zugestimmt.

Maren Peters

Berlin Der seltsame Auftakt in der 21. Etage des Bahn-Towers hätte alles andere als eine Annäherung erwarten lassen. Bei dem Spitzengespräch am Donnerstagabend soll Bahnchef Hartmut Mehdorn so wütend über den Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, gewesen sein, dass er „die eigens für ihn servierten Buletten in rasender Geschwindigkeit durch den Senftopf zog und dann vertilgte“, berichtet ein Teilnehmer laut „Spiegel“. Als Schell ausgeredet hatte, habe Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller Mehdorn dann versöhnlich aufgefordert, die Buletten doch in die Mitte zu stellen, „so, dass Herr Schell auch welche nehmen kann“. Über die geteilte Mahlzeit sollen sich die beiden Streithähne dann näher gekommen sein. Als GDL-Chef Schell einige von Mehdorns Frikadellen gegessen hatte, berichtet das Magazin, sei das Eis gebrochen.

Am Ende des vierstündigen Gesprächs machte Mehdorn dem widerspenstigen Gewerkschaftschef dann offenbar ein Angebot, das den seit Monaten schwelenden Tarifstreit bei der Bahn schon bald beenden könnte. Demnach hat die Bahn einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer zugestimmt – und ist der Gewerkschaft damit in ihrer Hauptforderung entgegengekommen. Details wird es erst am Montag geben, wenn die Bahn der GDL verabredungsgemäß einen neuen Vorschlag vorlegt. Bis dahin hält sich der Konzern mit einem Kommentar zurück. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hatte in einem Interview allerdings betont, dass die Bahn mit ihrem neuen Angebot die Lohngerechtigkeit für die rund 240 000 Beschäftigten wahren will. Der Konzern sei nicht nur 8000 streikwilligen Lokführern verpflichtet, sondern allen anderen Berufsgruppen der Bahn. Die spezifischen Bedürfnisse der Lokführer könnten aber zum Beispiel mit verbesserten Schichten und Aufstiegsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

Das Problem der Bahn: Es gibt drei miteinander konkurrierende Gewerkschaften, neben der kleinen GDL, in der 15 000 der insgesamt 20 000 Lokführer organisiert sind, auch die GDBA und Transnet. GDBA und Transnet haben bereits einen eigenen Tarifabschluss mit der Bahn vereinbart, der Lohnerhöhungen um 4,5 Prozent vorsieht. Nur die GDL war ausgeschert – mit der Forderung nach einem eigen Tarifvertrag und Lohnerhöhungne von bis zu 31 Prozent.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte die GDL am Freitag bundesweit den Regionalverkehr bestreikt, Millionen von Pendlern und Reisende mussten Verspätungen in Kauf nehmen.

Für die Bahn könnte das ein teures Nachspiel haben: Ihr entgehen Zahlungen der Länder in Millionenhöhe für den Nahverkehr. Bahnsprecher Achim Stauß bestätigte am Sonnabend, dass Bundesländer und Verkehrsverbünde für nicht gefahrene Züge auch keine Zahlungen an die Bahn leisten müssen. „Es ist ein einfacher Grundsatz: Bezahlt wird nur, was gefahren wird“, sagte er. Zur Höhe der Verluste wollte der Bahnsprecher sich noch nicht äußern. Nach einem Zeitungsbericht geht es um Beträge in Millionenhöhe.

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